Ein Tag vor ihrer Jahrestagung lud der Verband Deutscher Großbäckereien zur Jahrespressekonferenz nach Frankfurt ein. Neben dem Präsidenten Helmut Klemme erläuterten Hauptgeschäftsführer Helmut Martell und Geschäftsführer Armin Juncker die Situation und Stellung des Verbands.
17 Mrd. Euro Branchenumsatz
Klemme unterstrich, dass Deutschland nach wie vor der größte Backwarenmarkt in Europa ist. Charakteristisch sei – unabhängig von den Marktanteilen – die Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen. Allerdings sinke die Zahl dieser Unternehmen, vor allem die der Einzelbäckereien. In seinen Ausführungen legte der Präsident Daten und Fakten zur Branche vor. So verzeichnete das Statistische Bundesamt (2009) 14.382 Unternehmen (–1.300 Betriebe gegenüber Vorjahr). Von diesen 1.300 Betrieben hatten 1.262 einen Umsatz von weniger als 1 Mio. Euro. Klemme geht davon aus, dass die Zahl der Unternehmen in den kommenden Jahren weiter sinken wird – bis auf einen Sockel von ca. 8.000. Der Umsatz der Branche sei von 2009 auf 2010 auf knapp 17 Mrd. Euro gestiegen. Den Marktanteil der 28 größten Unternehmen bezifferte der VDG auf 29%. 21% Marktanteil hatten dagegen die 12.249 Unternehmen mit einem Umsatz unter 1 Mio. Euro.
Wachstum bei TK-Backwaren
Der Handel, so Helmut Klemme, werde in Zukunft noch mehr Umsatz mit Brot und Backwaren generieren, dies zeige insbesondere die starke Zunahme der Backstationen. Damit wächst auch der Anteil von Tiefkühlbackwaren. Sie werden mittlerweile in den über 14.000 Aufbackstationen im Handel, aber auch in den Tankstellenshops ofenwarm angeboten. Hinzu kommt die Verwendung in Privathaushalten und in der Groß- und Gemeinschaftsverpflegung. Darüber hinaus beobachtet der Verband verstärkt, dass sich der Handel auch in der Produktion von Brot und Backwaren engagiert. Dies gilt auch für andere Bereiche, wie z.B. Obst und Gemüse, wo der Handel sich unmittelbar an der Produktion beteiligt.
Vielfalt als Schlüsselbegriff
Der stetig steigende Marktanteil der Großbäckereien gehe einher mit einer wachsenden Vielfalt an Erzeugnissen für alle Gelegenheiten. Neben den klassischen Angeboten von mehr als 300 verschiedenen Brot- und zahlreichen Brötchen- und Brezelsorten, schätzen die Verbraucher immer mehr auch „exotische“ Spezialitäten wie Wraps, Pitas und ähnliche Erzeugnisse. Zudem gehören laut Klemme Brot und Backwaren zu den preiswerten Lebensmitteln – und daran hätten die Großbäckereien einen entscheidenden Anteil: „Für die Verbraucher bedeutet das, dass die Preise der Erzeugnisse aus den Backöfen der Großbäckereien auch in Zukunft deutlich unter denen des Bäckerhandwerks liegen werden, was neben der Qualität ein weiterer Grund für die ständig wachsenden Marktanteile der Großbäckereien im deutschen Backwarenmarkt ist.“ Zwar sei der Pro-Kopf-Verbrauch an Brot stabil, allerdings werde nicht alles, was gebacken wird, auch gekauft und nicht alles, was gekauft wird, auch gegessen.
Auch seien die Großbäckereien in vielen Bereichen von Kostensteigerungen betroffen. Bei Filialbäckereien machen die Rohstoffkosten laut VDG einen Anteil am Umsatz von ca. 20 bis 30% aus, beim Lebensmitteleinzelhandel von 40 bis 60%. Welche Auswirkungen die Energiewende der Bundesregierung auf die Energiekosten hat, könne zurzeit noch niemand abschätzen. Zum Thema Beschäftigung präsentieren sich die Großbäckereien mit „guten sozialen Bedingungen“. Insbesondere bei den Filialbäckereien sei der Personalkostenanteil besonders hoch. Löhne und Gehälter stiegen im Jahre 2010 mit durchschnittlich 2,6%. Grundsätzlich seien die knapp 35.000 Arbeitsplätze in den Großbäckereien sicher, auch wenn in letzter Zeit einige Betriebsstätten aus den unterschiedlichsten Gründen geschlossen werden mussten.









