Die 23. Weihenstephaner Getreidetagung am 11. Juli 2024 wurde vom Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) gemeinsam mit dem Bayerischen Müllerbund und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Zusammenarbeit mit der TU-München veranstaltet. Stefan Blum, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Handelsmühlen, begrüßte die Teilnehmenden im Internationalen Getränkewissenschaftlichen Zentrum Weihenstephan. Das Thema Nachhaltigkeit bestimmte auch in diesem Jahr das Programm. „Verständlich – denn Nachhaltiges Wirtschaften ist Aufgabe der gesamten Getreidekette“, betonte Blum. Dies zeige auch der Kreis der Teilnehmer/innen: von Züchtung, Landwirtschaft und Mühle bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel waren viele Branchen vertreten.
Den Klimawandel bewältigen
Laut Luisa Rölke vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) ist zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele 2030 noch einiges zu tun: „Strategien zur Bewältigung des Klimawandels müssen gemeinsam mit der Nahrungsmittelwirtschaft entwickelt werden. Denn sie ist Teil der Lösung und leistet ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit.“ Luisa Rölke verwies auf das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2030 um 26 Mio. Tonnen zu reduzieren. 9% der gesamten CO2-Emissionen kämen immer noch aus der Landwirtschaft. „Wo Böden überdüngt sind, müssen wir gemeinsam vorgehen. Umso bedauerlicher, dass der Bundesrat die Novelle des Düngegesetzes abgelehnt hat. Damit gelten weiter pauschale Einschränkungen und nicht das Verursacherprinzip“, sagte Rölke. Die vorgeschlagenen Änderungen sollten ermöglichen, dass in roten Gebieten Differenzierungen vorgenommen werden können. Dafür sei aber eine gute Datengrundlage notwendig. Dabei sei der bürokratische Aufwand für die Stoffstrombilanz „nicht so groß“. Umso mehr hob Luisa Rölke die Initiative „Erweiterung der Qualitätskriterien Backweizen“ heraus: Das Ziel, mit weniger Stickstoff gleichbleibende Backqualitäten zu erreichen, sei eine wichtige Maßnahme im Klimaprogramm der Bundesregierung, die konstruktive Mitarbeit der Verbände begrüßte sie sehr.
Nachhaltig in die Zukunft
Was die Kette bereits tut und welche technischen Lösungen es gibt, zeigten die Vorträge von Harry-Brot, DLG und improvin‘. Moritz von Köckritz von der Saatgut-Treuhandverwaltungsgesellschaft stellte klar: „Ohne Züchtung keine zukunftsfähigen Sorten“, es sei im Interesse von Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft, sich aktiv daran zu beteiligen. Sortenempfehlungen gab Lorentz Hartl von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaf: „Nachhaltigkeit haben wir schon immer betrieben, wenn wir mit den eingesetzten Ressourcen die bestmöglichen Mengen erzielt haben“, betonte er. So wiesen viele Sorten trotz geringem Rohprotein eine gute Backqualität auf. Sorten mit hohem Ertrag und gleichzeitig guter Backqualität würden Produktionsmittel effizient nutzen. Die Beschreibende Sortenliste liefere alle wichtigen Informationen für Landwirtschaft und Müllerei. Carina Stoll von der TU-München stellte WASI vor, eine Möglichkeit die Amylase-Aktivität zu regulieren: „Mit WASI gibt es ein geeignetes Instrument zur Aufklärung von Wirkmechanismen in Mehlen und Teigen. Das Inhibitorprotein kann auch zur gezielten Steuerung und Beeinflussung von technischen Prozessen eingesetzt werden. So können getreidebasierte Inhaltsstoffe in Zukunft bestmöglich und zielgerichtet eingesetzt werden“. Laut VGMS ist das ein spannendes Forschungsprojekt, das dazu beitragen kann, in schwierigen Erntejahren Getreidequalitäten für die Herstellung von Backwaren zu sichern.










