on on on
Die Schaubäckerei war einmal mehr ein Anziehungspunkt auf der Grünen Woche.
© Stephan Kühmayer
Eine gut gelaunte Gruppe Bäckerinnen und Bäcker steht in der Schaubäckerei auf der Grünen Woche und blickt in die Kamera.
BÄKO-magazin Titelbild 2-26
Messen

Grüne Woche im Aufwind

Die Grüne Woche begeisterte zu ihrem 100. Geburtstag rund 350.000 Gäste. Neben vielfältigen Themen aus den Bereichen Gartenbau, Land- und Ernährungswirtschaft stand auch das backende Handwerk im Mittelpunkt der Messe.

Die Grüne Woche, die vom 16. bis zum 25. Januar in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm stattfand, konnte einmal mehr ihren Ruf als internationale Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau unter Beweis stellen. Rund 1.600 Aussteller präsentierten ihre reichhaltigen Produktpaletten. Sie äußerten sich in Anbetracht der Resonanz sehr zufrieden, 350.000 Besucher bedeuteten ein deutliches Plus von rund 40.000 gegenüber dem Vorjahr.

 

Das backende Handwerk mittendrin

Auch das deutsche Bäcker- und Konditorenhandwerk zeigte Präsenz. Einer der Höhepunkte war die publikumswirksame Vorstellung des „Brots des Jahres“ 2026 am 20. Januar durch Roland Ermer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV), und Bundesernährungsminister Alois Rainer. Die Wahl fiel diesmal auf das Roggenbrot. „Leckeres Brot vom Bäcker an der Ecke – das ist für viele Menschen in Deutschland der Geschmack von Heimat. Das Roggenbrot steht in dieser Tradition“ befand Minister Rainer. Die Beteiligten der Branche nutzten zudem einmal mehr die Gelegenheit, ihre Kompetenz in Sachen Backwaren unter Beweis zu stellen. Allen voran waren die Innungsbäcker mit ihrer Schaubäckerei im Zentrum des so genannten Erlebnisbauernhofes in Halle 3.2 gut positioniert. Es gab wohl kaum einen Besucher, dessen Weg hier nicht vorbeiführte. Die meisten von ihnen blieben stehen, bestaunten die Handarbeit in allen Produktionsabläufen durch die drei großen Schaufenster mit eigenen Augen. Es wurde gerührt, geknetet, geformt und nicht zuletzt gebacken, was Hände und Maschinen hergaben. Die Mitglieder der deutschen Bäckernationalmannschaft, die Fachkräfte der lokalen Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Berlin-Brandenburg sowie zahlreiche Auszubildende packten gemeinsam an. Es gab unter anderem Roggenbrot mit Saaten, Weizenbrötchen, Schwarzbierstangen, Zimtschnecken oder Hefezöpfe. Nicht selten wurde der Erwerb gleich an Ort und Stelle verzehrt, anderes fand in Tüten und Beuteln den Weg nach Hause. ZV-Präsident Roland Ermer, an mehreren Tagen zugegen, sah es nur all zu gerne.

 

Branche zeigt sich experimentierfreudig

Einige Backbetriebe aus der Region nutzten die Grüne Woche als Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Besonders stark waren sie in der Halle des Bundeslandes Brandenburg vertreten. Die Bäckerei und Konditorei Plentz (Schwante), seit vielen Jahren mit von der Partie, sei exemplarisch genannt. Sie hatte diverse Brotsorten im Angebot. Krusten-, Ackerbohnen- oder Champagnerroggen-Brot gehörten beispielsweise dazu. Die „Schwantener Schrippe“, wie die Eigenkreation genannt wird, durfte nicht fehlen. Wie jedes Jahr kam auch nun wieder etwas Neues ins Sortiment. Das Kichererbsenbrot sorgte für Aufsehen, es konnte selbstverständlich verkostet werden. Laibhaftiger Verkauf brachte gute Umsätze. „Die Leute sind sehr kauffreudig“, stellte Standleiter Tommy Beierlein mit Genugtuung fest.

Aus Mecklenburg-Vorpommern war Bäckermeister Hannes Behrens angereist. Im Handgepäck hatte er seine eigenen Öfen. Ruch-Ciabatta, Treber- oder Honig-Nuss-Brot hießen hier die Highlights. Die belegten Brotschnitten, mit teilweise nicht alltäglichen Belägen wie Curry-Kürbis oder Zitrone-Knoblauch, sorgten für Geschmacksexperimente. Selbiges galt für das in Kooperation mit einem bayerischen Weingut hergestellte Glühweinbrot. Zufriedenheit herrschte auch bei der Bäckerei Exner. Brot-Klassiker und Zimtschnecken erwiesen sich hier als Verkaufsschlager. Das tägliche überdimensionale Brot-Schaustück wurde regelmäßig um 17.00 Uhr einem glücklichen Besucher geschenkt.

 

Wertschätzung und Wertschöpfung

Die Podiumsdiskussion „Backwarengipfel“ beschäftigte sich mit den Rahmenbedingungen in der Backbranche. Es war fast die gesamte Wertschöpfungskette vertreten. Neben ZV-Präsident Roland Ermer gehörten Bettina Schliephake-Burchardt (Präsidentin des Deutschen Konditorenbundes), Tobias Schuhmacher (Verband Deutscher Großbäckereien), Wilko Quante (Backzutatenverband) und Dr. Peter Haarbeck (Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft) zu den Teilnehmern. Ihnen lagen vor allem zwei Thermen am Herzen. Sie forderten von der Politik die überbordende Bürokratie abzuschaffen sowie sich für bezahlbare Energie einzusetzen. „Wie kriegen wir in den nächsten zehn bis 15 Jahren unsere Öfen heiß“, sorgte sich Roland Ermer öffentlich. Zudem fülle man sehr zeitaufwändig ordnerweise Akten und Anträge aus. Oft würden Fehler unterstellt, statt nachgewiesen. Hier müsse grundlegend umgedacht werden, forderte Ermer. Tobias Schuhmacher meinte ergänzend: „Wir brauchen drei Dinge – erstens Planungssicherheit, zweitens Planungssicherheit und drittens Planungssicherheit.“ Die Branche sei bereit, es bedürfe jedoch politischer Leitplanken, hieß es aus dem Kreis resümierend.

 

Rück- und Ausblick

Es war ein rundum gelungenes rundes Jubiläum, das die Grüne Woche 2026 feiern konnte. Ein Jahrhundert sowie 90 Ausgaben stehen mittlerweile in den Annalen. Im Jahr 1926 begann alles auf 7.000 Quadratmetern in einer Berliner Funk- und Autohalle. Die Entwicklung war in der Folge und speziell in den Nachkriegsjahrzehnten rasant. Diese zeitigte schließlich das heutige Format als europäische Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Willkommener Anlass für Prominenz aus Wirtschaft und Politik für ein Stelldichein. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hielt die Eröffnungsrede bei der Auftaktveranstaltung, Bundeskanzler Friedrich Merz und der für Landwirtschaft und Ernährung zuständige Bundesminister Alois Rainer machten neben anderen Prominenten ihre Aufwartung.

Die nächste Grüne Woche findet vom 15. bis 24. Januar 2027 statt. Veranstalterin ist die Messe Berlin, unterstützt von den ideellen Trägern Deutscher Bauernverband (DBV) und Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).

InnungInternationale Grüne WocheZentralverband

Marktplatz Digital

Das könnte Sie auch interessieren

Eine Mitgliederliste zeigt ein paar mit Rotstift durchgestrichene Namen.
Die mit der „Goldenen Brezel“ ausgezeichneten Bäckereien präsentieren sich stolz auf einer Bühne auf der Grünen Woche und zeigen ihre Urkunden.