Laut dem Marktforschungsinstitut YouGov sind 67 % der haushaltsführenden Personen über Preiserhöhungen wütend, während nur noch 25 % dafür Verständnis zeigen. Sollte sich der Krieg im Nahen Osten noch stärker auf Energie- und Konsumgüterpreise auswirken, könnte sich dieser Trend erneut verschärfen.
Wachsende Wut trotz geringerem Preisanstieg
Seit 2023 befragt YouGov zum Anfang eines Jahres haushaltsführende Personen, wie sie Preiserhöhungen wahrnehmen. Anfang 2023 empfanden 60% der Befragten die Preiserhöhungen aus dem Vorjahr 2022 als unverschämt. Die Preiserhöhungen machten sie wütend. Anfang 2024 waren es 64%, die so reagierten. Laut den Meinungsforschern war dies nicht überraschend, da 2023 die bezahlten Preise noch einmal stärker stiegen als 2022. Überraschend sei allerdings, dass Anfang 2025 mit 65% noch mehr Menschen als zuvor die Preiserhöhungen als unverschämt empfanden und wütend darüber waren, obwohl die Preise 2024 nur noch um 1,6% gestiegen waren. Anfang 2026 ist die Wut mit einer Zustimmung von 67% auf den (bisherigen) Höchstwert geklettert. Obgleich nach den beiden Jahren mit den extrem hohen Steigerungen der bezahlten Preise (2022: +8,3%; 2023: +9,5%) die Preise nur noch moderat stiegen (2024: +1,6%; 2025: +3,5%), nahm die Wut der Befragten über die Preiserhöhungen weiter zu. Das Verständnis für Preiserhöhungen ist unter den Befragten zudem immer weiter gesunken. Während 2023 noch 36% dafür Verständnis äußerten, waren es 2024 nur noch 29% und 2025 sowie 2026 jeweils nur 25%.
Vorsicht statt Schock
Mit Blick auf die Jahre nach Beginn der Coronapandemie spricht YouGov von einer Krisenadaption: Die Menschen haben gelernt, mit Unsicherheit, Inflation und Kaufkraftdruck umzugehen. Das bedeute aber nicht Entspannung. Im Gegenteil: Preiserhöhungen würden weiterhin sensibel wahrgenommen. Sollten die Preise infolge steigender Energiekosten wieder deutlich anziehen, rechnet YouGov nicht mit einer Schockreaktion wie 2022, wohl aber mit einer erneuten Verschiebung im Einkaufsverhalten. Discounter und Handelsmarken dürften dann wieder stärker profitieren. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass Premiumprodukte heute widerstandsfähiger sein könnten als noch während des ersten großen Preisschocks, weil sich viele Verbraucher trotz Krisen punktuell etwas gönnen wollen. Eine Variante der Krisenadaption der letzten Jahre war es laut YouGov, wieder im Hier und Jetzt etwas mehr zu genießen und sich etwas zu gönnen. Dieser Trend werde auch nach einem erneuten sprunghaften Anstieg der Preise Bestand haben, so die Hypothese der Marktforscher.










