Einen Teil seiner wirtschaftlichen Bedeutung hat der Mittelstand bereits eingebüßt, wie die aktuelle Auswertung „DATEV Spotlight Insolvenzen“ zeigt. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit offenbart, dass die Anteile der KMU an Umsatz und Beschäftigung in Deutschland von 2018 bis 2023 um jeweils rund vier Prozentpunkte gesunken sind. Beim Anteil an der Bruttowertschöpfung sind es im selben Zeitraum gut zwei Prozentpunkte. Was diese Entwicklung noch drastischer erscheinen lässt: Die Zahl der Unternehmen ist zwischen 2018 und 2023 deutlich gestiegen – um 22% auf rund 3,16 Mio. Unternehmen und mit 99,3% ist der KMU-Anteil seit 2018 beinahe unverändert.
Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen machen also immer weniger Umsatz. Gleichzeitig steigen die Arbeitskosten kräftig: Die Löhne legten 2023 um 5,1% und 2025 um weitere 4,2% zu. „Da verwundert es nicht, dass die Steuerberater in unserer Befragung DATEV-Branchenbarometer von wachsenden Liquiditätsrisiken, Restrukturierungen und zunehmenden Geschäftsaufgaben ihrer Mandanten berichten“, sagt Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG. „Viele kleine Unternehmen nähern sich dem Punkt, an dem sich die Geschäftstätigkeit einfach nicht mehr lohnt.“
2025: Rekordjahr bei Insolvenzen
Diese Beobachtung korreliert mit der Zahl der Insolvenzen in Deutschland, die 2025 einen neuen Höchststand erreicht hat. Besonders betroffen sind Kleinstunternehmen ohne Beschäftigte sowie größere Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiter(inne)n. Bei den klassischen KMU mit ein bis 100 Beschäftigten zeigt sich 2025 dagegen eine leichte Beruhigung, nachdem sie 2024 noch die höchsten Zuwächse beim Insolvenzgeschehen verzeichnet hatten.
Regional verschiebt sich der Schwerpunkt bei den ungeplanten Betriebsaufgaben deutlich. War 2024 insbesondere der Osten Deutschlands betroffen, liegen die Hotspots 2025 klar im Westen. Dieses Bild bestätigt auch ein Blick auf die Insolvenzen, die gegenüber dem Vorjahr besonders stark in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zugenommen haben. Auffällig ist dabei, dass es einen ähnlichen regionalen Trend bei Gewerbeanmeldungen gibt: Wo viele Unternehmen aufgeben, entstehen zugleich mehr neue – ein Zeichen für Anpassungs- und Erneuerungsprozesse.
Im Baugewerbe hat sich diese Zunahme seit vier Jahren verfestigt – mit einem Rekordwert von 382 Verfahren im April 2025 und einem Spitzenanstieg von über 45% im Oktober 2024. Im Verarbeitenden Gewerbe drücken anhaltend schwache Umsätze auf die Ertragslage, sodass die Insolvenzen im April 2025 mit 184 Fällen ihren bisherigen Höhepunkt erreichten. Auch im Gastgewerbe konnten nominale Umsatzsteigerungen die Effekte von Preissteigerungen, Personalmangel und steigenden Insolvenzen nicht kompensieren – im Oktober 2025 wurde hier der bisherige Höchststand erreicht.










