Laut der aktuellen Kaspersky-Studie haben 85% der Unternehmen daher jetzt ihre IT-Sicherheitsbudgets erhöht. Ob Online-Shop, Kundenkonto, Kundenbindungsprogramm oder digitales Bezahlen: Der Einzelhandel verarbeitet personenbezogene Daten heute über zahlreiche miteinander vernetzte Systeme. Die Digitalisierung dieser Branche macht sie auch für Cyberkriminelle interessant. Die Studie verdeutlicht, dass 97% der europäischen Einzelhandelsunternehmen in den vergangenen zwölf Monaten von Cybervorfällen betroffen waren. Zudem macht die Studie klar, wie breit das Angriffsspektrum im europäischen Handel inzwischen ist: Etablierte Angriffsmethoden treffen zunehmend auf neue technologiebezogene Risiken. Am häufigsten waren die Unternehmen von Cyberspionage (26%) und Phishing (24%) betroffen. Jeweils 18% berichteten von groß angelegten Malware-Angriffen beziehungsweise der Ausnutzung von Schwachstellen in KI-Systemen. DDoS-Angriffe folgten mit 15%. Auffällig ist, dass KI-bezogene Schwachstellen damit bereits ebenso häufig genannt wurden wie klassische Malware-Angriffe.
Konsequenzen eines Angriffs sind vielfältig
Die Folgen schwerwiegendster Cybervorfälle der vergangenen zwölf Monate zeigen, dass Angriffe auf Handelsunternehmen in Europa sowohl Daten als auch Finanzen und zentrale Geschäftsabläufe treffen. Am häufigsten wurde der Diebstahl personenbezogener Kundendaten genannt (33%), gefolgt von finanziellen Verlusten (30%) und der Beeinträchtigung von Geschäftsprozessen (27%). Jedes vierte Unternehmen erlitt einen unwiederbringlichen Datenverlust (24%). Jeweils 21% berichteten zudem von vorübergehenden Ausfällen kundenbezogener Dienste, dem Kontrollverlust über IT-Infrastruktur oder IoT-Geräte sowie von Reputationsschäden. Angesichts dieser vielfältigen Folgen reagieren Einzelhandelsunternehmen nach einem Angriff mit einer Kombination aus technischen und organisatorischen Maßnahmen. Jeweils 39% stärkten ihre Cloud-Sicherheitskontrollen oder führten verpflichtende IT-Sicherheitsschulungen für alle Mitarbeitenden ein beziehungsweise aktualisierten diese. Jeweils 36% verbesserten die Sicherheitslösungen auf den von Mitarbeitenden genutzten Geräten oder verschärften ihre Passwortrichtlinien. Weitere 33% erhöhten die IT-Sicherheitsanforderungen an Partner und Auftragnehmer. Die Maßnahmen zeigen, dass Unternehmen neben ihrer technischen Infrastruktur zunehmend auch Mitarbeitende und Lieferketten in ihre Sicherheitsstrategie einbeziehen.
Mitarbeitenden mangelt es an Sicherheitsbewusstsein
Das Risiko erfolgreicher Cyberangriffe entsteht häufig durch ein Zusammenspiel technischer, personeller und organisatorischer Schwachstellen. Als größten Risikofaktor nannten Einzelhandelsunternehmen verzögerte Patch- und Update-Prozesse (32%), gefolgt von einem mangelnden IT-Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeitenden (26%). Jeweils 24% verwiesen auf fehlende Fachkenntnisse im IT-Sicherheitsteam, unzureichende Sicherheitslösungen, eine Überlastung durch zu viele Sicherheitswarnungen sowie mangelnde Unterstützung durch die Unternehmensleitung. Fehlende regelmäßige Risikobewertungen wurden von weiteren 21% genannt. Die Ergebnisse zeigen, dass wirksame Cybersicherheit neben moderner Technologie auch klare Prozesse, qualifizierte Mitarbeitende und Rückhalt aus dem Management erfordert. Besonders deutlich wird das Risiko bei alltäglichen digitalen Verhaltensweisen der Mitarbeitenden. Die Hälfte der befragten Handelsunternehmen (50%) berichtete, dass Beschäftigte externe KI-Tools wie ChatGPT oder DeepSeek für berufliche Aufgaben nutzen. 38% nannten das Ignorieren von Sicherheitswarnungen, 32% die ungesicherte Verbindung von Unternehmensgeräten mit öffentlichen WLAN-Netzen. Jeweils% beobachteten die Nutzung privater Geräte für Arbeitsaufgaben und die Speicherung von Unternehmensdaten sowie einen unsicheren Umgang mit Passwörtern.
IT-Sicherheit bleibt für den Einzelhandel eine klare Investitionspriorität: 85% haben ihr Budget im Vergleich zum Vorjahr erhöht, bei 15% blieb es weitgehend unverändert. Dies zeigt, dass die Branche auf die wachsende Bedrohungslage überwiegend mit zusätzlichen finanziellen Mitteln reagiert. Unter den Unternehmen mit erhöhtem Budget investierten 45% in den Ausbau ihrer internen IT- und IT-Sicherheitsteams. Gleichzeitig setzten 41% zusätzliche Mittel für die Auslagerung einzelner Sicherheitsaufgaben ein, etwa für Schulungen, MSSP- oder MDR-Dienste. Jeweils 34% stärkten die Sicherheit ihrer Cloud- und Hybrid-Infrastruktur, führten Datenschutztechnologien ein oder verbesserten die Widerstandsfähigkeit ihrer Systeme. Weitere 31% investierten in umfassendere und fortschrittlichere IT-Sicherheitslösungen. Die Mittel fließen damit sowohl in interne Kompetenzen als auch in externe Expertise und moderne Schutztechnologien.
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