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Machen sich stark für das Bäckerhandwerk im Verbandsgebiet: Frithjof Jönsson, Tobias Exner, Christa Lutum und Dr. Friedemann Berg (v.r.).
© Stephan Kühmayer
BÄKO-magazin Titel Ausgabe 4-26
Innungen

„Genuss, Kunst, Kreativität“

Der Bäcker- und Konditoren-Landesverband Berlin-Brandenburg lud seine Mitgliedsbetriebe zum 21. März dieses Jahres in das Hotel „Lido“ nach Senftenberg zum Verbandstag ein.

Europas größtes Holz-Blockhaus sowie der angrenzende Senftenberger See in der größten von Menschenhand erschaffenen Seenkette boten dabei nicht nur eine imposante Kulisse, sondern auch viel Raum für Gespräche in Fachkreisen. Auch wenn Neuwahlen diesmal nicht auf der Agenda standen, war die Tagung mit rund 40 Teilnehmern gut besucht und die Mitglieder zeigten Entschlossenheit: Das regionale Handwerk rückt enger zusammen, um den wachsenden bürokratischen Hürden die Stirn zu bieten. Im Zentrum der Debatte stand die in der Landeshauptstadt Potsdam geplante Verpackungssteuer. Tobias Exner, Vorsitzender des Vorstands, legte dar, dass die Erhebung von 50 Cent pro Produkt – etwa auf belegte Brötchen – handwerkliche Betriebe massiv benachteilige. Da industriell verpackte Snacks aus dem Supermarkt von der Steuer befreit bleiben sollen, drohe eine eklatante Wettbewerbsverzerrung.

„Verpackungssteuern sind in der aktuellen Zeit pures Gift für unsere Betriebe. Wir brauchen Entlastung und keine neuen Bürokratiemonster“, betont Frithjof Jönsson, Geschäftsführer des Landesverbands. „Ein kommunaler Flickenteppich an unterschiedlichen Steuerregeln ist für Betriebe, die über Gemeindegrenzen hinweg Filialen betreiben, nicht mehr handhabbar. Wir fordern die Politik auf, den Fokus auf Bürokratieabbau zu legen, statt dem Handwerk immer neue Steine in den Weg zu legen.“

 

Schlagkraft sichern

Um die politische und wirtschaftliche Schlagkraft langfristig zu sichern, treibt der Verband die Umstrukturierung seiner Mitgliedsinnungen voran. Ein zentraler Tagesordnungspunkt in Senftenberg war die geplante Fusion der regionalen Innungen zu so genannten „Kammerinnungen“. Während dieses Modell im Bezirk der HWK Cottbus bereits erfolgreich umgesetzt wurde, sollen die Bezirke Potsdam und Frankfurt (Oder) bis spätestens Anfang 2028 folgen. Ziel ist eine effizientere Verwaltung unter enger Einbindung der Kreishandwerkerschaften als bewährte Geschäftsstellen vor Ort. Die Delegierten betonten, dass dieser Prozess für die Zukunftsfähigkeit der Innungen bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben und der Interessenvertretung unerlässlich sei.

Trotz des Drucks durch Energie- und Personalkosten präsentierte sich die Branche innovativ. Diana Lewandowski stellte Konzepte für Backwaren-Verkaufsautomaten vor, während Stefan Zupp über Fördermittel und Strategien bei der Betriebsnachfolge informierte. Ein starkes Signal gegen den Fachkräftemangel setzte Stephan Sembritzki mit seinem Bericht über den Austausch mit jungen Menschen vor Ort in der Mongolei, die potentiell für eine Ausbildung im Bäckerhandwerk in Deutschland gewonnen werden könnten. Neben bürokratischen Hürden ist der Erwerb der deutschen Sprache eine zentrale Herausforderung bei der Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden aus dem Ausland.

 

Große Anerkennung

„Das Bäckerhandwerk gehört zu den sichtbarsten und funktionsreichsten Gewerken“, befand die Präsidentin der Handwerkskammer Cottbus, Corinna Reifenstein, eingangs in ihrem Grußwort an die Versammlung. Sie sprach zudem von einer „großen Ehre“, dass der Verbandstag in ihrem Regionalgebiet stattfände. Reifenstein kam jedoch nicht umhin, auch Probleme der Wirtschaft im Allgemeinen und Sorgen der Branche im Speziellen anzusprechen. Sie nannte explizit die Themen Bürokratie sowie die Energiepreise, welche beide leider steigend seien.

Andreas Pfeiffer, 2. Bürgermeister der Stadt Senftenberg, zeigte sich bei seinem Grußwort nicht nur gut vorbereitet, sondern sogar emotional. „Frischer Duft von Brot und Brötchen ist ein Stück Heimat“, so der Kommunalpolitiker wörtlich. Er zeigte sich begeistert für das backende Gewerbe, sprach von „Genuss, Kunst und Kreativität“ und erwähnte auch lokale Spezialitäten wie das „Reformationsbrötchen“ oder die „Riesenstolle“.

 

Positive Signale

Weitere Fachkompetenz lieferte Dr. Friedemann Berg in seinem Statement an die Runde. Der Hauptgeschäftsführer überbrachte die Grüße des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Zudem gab Berg eine Rückschau auf die gelungene Präsenz der Handwerksbäcker auf der zurückliegenden Internationalen Grünen Woche in Berlin mit seiner Schaubackstube (16. bis 25. Januar 2026) und lieferte eine Vorschau auf den kommenden Tag des Deutschen Brotes, bekanntermaßen am 5. Mai dieses Jahres.

Positives gab es auch in Sachen Auszubildende zu berichten. Bei der Ausbildung zum/zur Bäcker/in gab es im Berichtsgebiet eine Steigerung von 17%, beim Fachverkauf waren es immerhin noch +9,3%. 583 Auszubildende beiderlei Geschlechts waren es zuletzt im Verbandsbereich.

Der Bericht des Landesbildungsbeauftragten musste diesmal in Abwesenheit von Karl-Dietmar-Plentz entfallen. Alle weitere Regularien einer Jahreshauptversammlung, etwa Bericht der Rechnungsprüfer oder Abnahme der Jahresrechnung wurden sorgfältig, aber doch in der gebotenen Kürze abgehandelt. Der kommende Verbandstag mit Vorstandsneuwahlen soll im Frühjahr 2027 in Berlin stattfinden.

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