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ZV-Präsident Michael Wippler berichtete über die Bemühungen des Zentralverbandes, die Energieversorgung für das Bäckerhandwerk zu sichern. (Foto: Peter Salden)
Innungen

Einheit des Bäckerhandwerks

Mehr als vier Dutzend Vertreter des sächsischen Bäckerhandwerks und ihre Gäste waren am ersten Juli-Sonntag in das im Jahre 2019 eröffnete Leipziger Hotel „Felix“ zur 32. Jahresmitgliederversammlung des Landes­innungsverbandes Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen gekommen.

Das schmucke Ambiente in der ehemaligen Hauptpost am Augustusplatz bildete zwar einen würdigen Rahmen für die Zusammenkunft, dennoch wollte angesichts der derzeitigen Probleme keine allzu positive Stimmung aufkommen, denn niemand könne derzeit plausible Antworten auf zu viele Fragen geben. „Unser Landesverband wurde vor genau 140 Jahren gegründet, doch jetzt steht unsere Bäckerhandwerk angesichts der wirtschaftlichen Entwicklungen vor einer Zäsur, die uns um unseren Wohlstand bringen könnte“, befürchtete Landesobermeister Roland Ermer. „Die steigenden Energie- und Rohstoffpreise – ganz abgesehen von der Warenverfügbarkeit –, die Erhöhung des Mindestlohnes und der zunehmende Fachkräftemangel werden Auswirkungen auf unsere Filialstruktur und unser Sortiment haben. Doch was wird aus unseren Innungen und Verbänden, wenn es den Betrieben schlecht geht? Sparen sie dann die Mitgliedsbeiträge lieber ein? Nach der Fusion von mehreren Innungen zu einer schlagkräftigen Erzgebirgsinnung kann unser Ansinnen nur darin bestehen, die eigene Organisation weiter zu stärken, damit sie von der Politik wahrgenommen und auch für junge Bäckermeister und ehemalige Mitglieder wieder attraktiver wird.“

Trotz allem ist Obermeister Ermer davon überzeugt, dass das Bäckerhandwerk eine gute Zukunft vor sich hat, die sich jedoch nicht von allein einstellen werde. Auf jeden Fall werde es für die Betriebe schwer, im Herbst angesichts der Preissteigerungen auf der Materialseite noch schwarze Zahlen zu schreiben. Denn bereits jetzt sei die enorme Steigerung der Energiekosten für die ersten Betriebe existenzbedrohend. In diesem Zusammenhang verwies Vorstandsmitglied Mathias Möbius auf die betriebswirtschaftliche Jahrestagung Ende September und den LIV-Betriebsberater, der in Sachen Filialstruktur, Produktqualität, Marketing und Sortimentsbereinigung zu Rate gezogen werden sollte. „Um die Mehrkosten abzufangen, müssen wir die Kostensteigerungen umlegen und einen um bis zu 20% höheren Umsatz erzielen, was nicht jedem Unternehmen gelingen wird, zumal wir nicht vorhersehen können, wie der Kunde auf neuerliche Preissteigerungen bei Backwaren reagiert.“ Mit Hilfe des Betriebsberaters bestehe jedoch zumindest die Chance, dass das Bäckerhandwerk am Markt bleiben wird.

Engagierte Persönlichkeiten für das Bäckerhandwerk

Unsere Entwicklung geht nicht mehr so weiter wie in den vergangenen drei Jahrzehnten, konstatierte denn auch Michael Wippler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, und sprach einmal mehr von „besonderen Zeiten“, die wohl in jedem Grußwort eine Rolle spielen würden. „Doch in diesem Herbst wird es besonders spannend und sorgenvoll, denn anders als zur Wende 1990 bewegen wir uns jetzt von einer Überfluss- wieder in eine Mangelgesellschaft und erleben die Preisbildung in der Marktwirtschaft als Wechselspiel von Angebot und Nachfrage.“ Inflation und sinkende Kaufkraft kommen im Geldbeutel der Kunden an, und sie sind keineswegs darauf angewiesen, zum Handwerksbäcker einkaufen zu gehen. Schon jetzt sei ein verändertes Kaufverhalten zu spüren, das sich im Krisenfalle noch verstärken werde. Doch für jedes Probleme gebe es eine Lösung, und das Bäckerhandwerk müsse anstreben, in Sachen Energieversorgung autark zu werden. „Der Zentralverband versucht alles, um die Energieversorgung für das Bäckerhandwerk zu sichern, weil ohne Gas unsere Backöfen ausgehen, und da ist es schon von Vorteil, dass das Bäckerhandwerk zur kritischen Infrastruktur gehört und dessen dezentrale Struktur für die Versorgung der Bevölkerung wichtiger ist als die Versorgungssicherheit von nur wenigen Großbäckereien.“ Diese große Bedeutung des Bäckerhandwerks habe er den Politikern in Berlin mit Bundeskanzler Olaf Scholz an der Spitze vermittelt. Da jedoch die „tolle Arbeit des Zentralverbandes“ nur von einem Teil der backenden Handwerksbetriebe finanziert wird, jedoch die gesamte Branche davon profitiert, müssen auf diesem Gebiet neue Ideen entwickelt und selbst alle „heiligen Kühe“ zur Disposition gestellt werden. Deshalb sei er besonders froh, dass sich Sachsen LOM Roland Ermer, der 2023 satzungsbedingt nicht zur Wiederwahl als Landesobermeister antreten kann, um das Amt des ZV-Präsidenten bewerben will. Für diesen Personalvorschlag gebe es bereits breite Unterstützung, sodass der Zentralverband mit einer stabilen Führung in die Zukunft blicken könne. Da auch Schatzmeisterin Martina Hübner im nächsten Jahr aus dem Geschäftsführenden Saxonia-Vorstand ausscheidet, werden für die Neuwahlen mindestens zwei Kandidaten aus dem Kollegenkreis benötigt.

Helfende Hände

Einen besonderen Lichtblick bescherte der Mitgliederversammlung die Übergabe des symbolischen Schecks aus der Aktion „Stollenpfennig“ des Jahres 2022 mit dem bislang dritthöchsten Ergebnis dieser 28. Aktion seit dem Jahre 1994. Nach Auszählung der rund 1 300 Sammeldosen, die in der Vorweihnachtszeit inmitten der Corona-Krise auf den Verkaufstresen der sächsischen Handwerksbäcker gestanden hatten, konnte OM Roland Ermer den Scheck über 42 046,27 Euro an Marius Zippe von der Diakonie Sachsen übergeben.

Impulsvortrag rund ums Thema Energie

In einem Impulsvortrag sprach Florian Schafer, Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, über die Energieversorgung und den Notfallplan Gas. „Wir arbeiten alle dafür, dass er nicht umgesetzt werden muss, wobei jede eingesparte Kilowattstunde hilft“, betonte er und versicherte einmal mehr, dass das Bäckerhandwerk wie auch Großbäckereien und Mühlen zur kritischen Infrastruktur gehören. „Derzeit ist die Gasversorgung stabil, die benötigten Liefermengen sind vorhanden – wenn auch zu hohen Preisen.“ Wie sich die Lage nach der turnusmäßigen Wartung von Nordstream I entwickelt, vermag niemand vorherzusehen, jedoch müssen sich Unternehmen und Privathaushalte auf höhere Preise einstellen und versuchen, Energie zu sparen. „Wir sind in einer ernsten Situation und können keineswegs ausschließen, dass es noch ernster wird“, so der Redner.

Zum Abschluss der Mitgliederversammlung haben die Delegierten den Geschäftsbericht, die Haushaltsabrechnung 2021, den Bericht der Kassenprüfer und den Haushaltsplan 2022 bestätigt und den Vorstand sowie die Geschäftsführung für das Jahr 2021 entlastet. Als Rechnungsprüfer wurden die Bäckermeister Falk Burkhardt (BI Pirna) neu- und Markus Thonig (BI Bautzen) wiedergewählt.

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