Trotz moderater wirtschaftlicher Erholung bleibt die Sorge um die finanzielle Zukunft in Europa hoch. Aktuell geben 78% der Europäer an, sich Sorgen über ihre finanzielle Situation in den kommenden zwölf Monaten zu machen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 74%. Auch in Deutschland bleibt die Verunsicherung groß: 79% der Verbraucher blicken mit Sorge auf ihre finanzielle Zukunft (2025: 80%). Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Ausgabe der Studienreihe „Banking on Banks“ vom Informationsdienstleister CRIF. Für die Studie wurden 5.000 Verbraucher in Deutschland, Irland, Italien, Polen und Großbritannien befragt.
Finanziell unter Druck
Die wirtschaftlichen Herausforderungen der vergangenen Jahre wirken sich weiterhin deutlich auf die Erwartungen der Menschen aus. Mehr als ein Viertel der Europäer (27%) rechnet damit, dass sich der eigene Lebensstandard in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern wird. Besonders pessimistisch zeigen sich die Verbraucher in Irland (33%), im Vereinigten Königreich (32%), Deutschland (28%) und Polen (27%). Vergleichsweise optimistischer fällt die Einschätzung in Italien aus, wo lediglich 20% mit einer Verschlechterung ihres Lebensstandards rechnen.
In Deutschland sind die finanziellen Belastungen laut der Studie deutlich spürbar:
- 28% erwarten eine Verschlechterung ihrer finanziellen Situation.
- 38% der Befragten gehen davon aus, dass ihnen am Monatsende künftig weniger Geld zur Verfügung stehen wird. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 27%.
- 18% machen sich Sorgen, ihre Rechnungen künftig nicht mehr pünktlich bezahlen zu können.
- 7% befürchten sogar, ihre Miete oder Hypothekenzahlungen nicht mehr leisten zu können.
„Die Ergebnisse zeigen, dass sich viele Verbraucher trotz erster wirtschaftlicher Stabilisierungssignale weiterhin finanziell unter Druck fühlen. Steigende Lebenshaltungskosten, geopolitische Unsicherheiten und die Sorge um die eigene finanzielle Zukunft prägen die Entscheidungen vieler Haushalte. Viele Menschen erleben seit Jahren eine Abfolge von Krisen und Unsicherheiten, die ihr Sicherheitsgefühl nachhaltig beeinflusst. Die permanente Konfrontation mit neuen Belastungsfaktoren führt dazu, dass finanzielle Vorsicht für viele zur neuen Normalität geworden ist. Finanzielle Planung und Absicherung gewinnen dadurch weiter an Bedeutung“, sagt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland.
Auswirkungen auf das Konsumverhalten
Die finanzielle Unsicherheit wirkt sich laut CRIF unmittelbar auf das Konsumverhalten der Verbraucher aus. 51% der Deutschen planen, ihre Ausgaben in den kommenden zwölf Monaten zu reduzieren. Davon wollen 32% ihre Ausgaben leicht und weitere 19% sogar deutlich senken. Gleichzeitig möchten 33% ihr derzeitiges Ausgabenniveau beibehalten. Nur 12% geben an, künftig mehr Geld auszugeben. Hauptursache für die geplante Konsumzurückhaltung sind die weiterhin hohen Lebenshaltungskosten. Von denjenigen, die ihre Ausgaben reduzieren wollen, geben 65% an, aufgrund steigender Kosten generell vorsichtiger geworden zu sein. 60% nennen insbesondere höhere Ausgaben für Lebensmittel und den täglichen Bedarf als Grund für ihre Sparmaßnahmen. 37% möchten vor allem bei nicht notwendigen Ausgaben wie Restaurantbesuchen, Freizeitaktivitäten oder Abonnements sparen, während 28% höhere Wohn- und Energiekosten als wesentlichen Belastungsfaktor nennen.
Verändertes Finanzverhalten
Die Studienergebnisse zeigen, dass viele Verbraucher die aktuelle Situation nutzen, um ihre finanzielle Widerstandsfähigkeit zu stärken. 29% reduzieren ihre Ausgaben, um konkrete Sparziele – etwa für Urlaub, Auto oder Umzug – zu erreichen. 26% möchten ihre Ersparnisse erhöhen, und 24% wollen gezielt finanzielle Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben aufbauen. Weitere 16% geben an, durch geringere Ausgaben bestehende Schulden schneller abbauen zu wollen.
Die finanziellen Belastungen der vergangenen Jahre wirken sich zunehmend auf das Verhalten der Verbraucher aus. Viele Haushalte passen ihre Ausgaben aktiv an, suchen nach Sparpotenzialen und greifen verstärkt auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten zurück. Besonders deutlich zeigt sich dies beim täglichen Konsumverhalten. 25% der Befragten achten verstärkt auf Rabatte und Sonderangebote, um ihre Ausgaben zu reduzieren. Gleichzeitig geben 21% an, dass sie heute weniger Geld sparen können als noch vor einem Jahr. Darüber hinaus greifen bereits 15% auf ihre Ersparnisse zurück, um laufende Ausgaben zu finanzieren.
Ursachen der Verunsicherung
Die finanziellen Sorgen der Verbraucher werden laut CRIF zunehmend von globalen Entwicklungen geprägt. Während die Inflation weiterhin als größte Bedrohung für die persönliche finanzielle Situation wahrgenommen wird, gewinnen geopolitische Krisen, internationale Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten deutlich an Bedeutung. Mit 52% nennt mehr als jeder zweite Deutsche die anhaltend hohe Inflation und steigende Lebenshaltungskosten als größte Gefahr für die eigene finanzielle Zukunft. Damit bleibt die Preisentwicklung der mit Abstand wichtigste Belastungsfaktor für die Verbraucher. Gleichzeitig sorgen internationale Krisen für erhebliche Verunsicherung. 40% der Befragten befürchten negative wirtschaftliche Folgen des Krieges in der Ukraine. Nahezu ebenso viele (40%) sehen die anhaltenden Konflikte und die Instabilität im Nahen Osten als Risiko für ihre finanzielle Situation. Darüber hinaus rechnen 33% mit negativen Auswirkungen einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen zwischen Europa und den USA, etwa durch neue Handelsbarrieren oder Zölle.
Auch wirtschaftliche Abschwächungstendenzen werden aufmerksam verfolgt. 22% der Deutschen sorgen sich um eine Konjunkturabschwächung in Deutschland, 21% um eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Weitere 14% sehen eine globale Konjunkturabkühlung als Risiko für ihre finanzielle Zukunft. Bemerkenswert ist zudem die wachsende Bedeutung neuer Risikofaktoren. So betrachten 23% der Befragten die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz als potenzielles Risiko für ihre finanzielle Situation. Weitere 10% sorgen sich über die wirtschaftliche Abhängigkeit von China, während 9% Klima- und Umweltrisiken als finanzielle Belastungsfaktoren nennen. Lediglich 8% der Deutschen geben an, sich über keine dieser wirtschaftlichen oder geopolitischen Entwicklungen Sorgen zu machen.










