Die 24. VGMS-Getreidetagung in Weihenstephan brachte Expert/innen aus Züchtung, Landwirtschaft, Getreidehandel, Müllerei, Bäckerei und Wissenschaft zusammen. Traditionsgemäß eröffneten Stefan Blum, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Handelsmühlen, und Thomas Becker, Inhaber des Lehrstuhls für Brau- und Getränketechnologie an der TU München die Getreidetagung in Weihenstephan. Beide stimmten darin überein, dass die Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft gefordert ist, den hohen Qualitätsanforderungen ihrer Kunden mit innovativen Ideen zu begegnen, gerade vor dem Hintergrund der schwierigen Versorgung mit Qualitätsgetreide.
Komplexe Rohstoffbeschaffung
Deutlich wurde auf der Getreidetagung, dass die Rohstoffbeschaffung für Getreideverarbeiter immer komplizierter wird, weil Mengen oder Qualitäten fehlen. Dies zeigte der Rückblick auf die Ernte 2024 sowie der Blick auf die Entwicklung in den wichtigsten Getreideanbauländern weltweit. Ludwig Striewe von BAT Agrar verdeutlichte, dass nahezu sämtliche Regionen ihre Produktion in den letzten Jahren weiter steigern konnten, in Deutschland jedoch kein nennenswerter Ertragszuwachs zu verzeichnen war. Wesentliche Gründe dafür sieht er in einem starren Düngeregime der nationalen Düngeverordnung und der restriktiven Zulassungspolitik für Pflanzenschutzmittel. Die politisch forcierte Extensivierung insbesondere in Deutschland, aber auch in ganz Europa, hält er für den falschen Weg. Werden Gunststandorte in Europa aufgegeben oder extensiv genutzt, müsse immer mehr Getreide auf Grenzstandorten im Rest der Welt produziert werden, um die Menschen ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen. „Wir haben in Deutschland ein Problem mit der Versorgungssicherheit“, mahnte Striewe.
Blick auf Brotgetreide
Lorenz Hartl von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft LfL in Weihenstephan präsentierte die Ergebnisse der Landessortenversuche und neue Brotgetreidesorten. Er stellte fest, dass der durchschnittliche Proteingehalt beim Weizen in Bayern seit der Ernte 2017 kontinuierlich gesunken ist und zuletzt in der Ernte 2024 nurmehr bei 11,9% lag: „In Bayern werden weitestgehend A-Weizensorten angebaut, viele Sorten mit guten Backeigenschaften. Die von den Erfassern geforderten 13% werden aber nicht mehr erreicht“, erklärte er. In der Prüfung neuer Roggensorten ist die Anfälligkeit für die Infektion mit Mutterkorn ein wichtiges Kriterium. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Züchtung in den vergangenen Jahrzehnten Sorten hervorgebracht hat, die Müllerei und Bäckerei vor Probleme stellt. Die schwache Enzymaktivität vieler Roggensorten mache es immer schwerer, die Brote zu backen, die die Verbraucher/innen gern kaufen. Dies sei ein Grund für die über die vergangenen Jahre kontinuierlich abnehmende Nachfrage und Verarbeitung von Brotroggen. Die Anwesenden waren sich einig, dass hier gemeinsame Gespräche und Aktivitäten der gesamten Wertschöpfungskette dringend notwendig sind.
Vorratsschutz, Malzqualität und mehr
Darüber hinaus wurden auf der VGMS-Getreidetagung weitere branchenrelevante Themen diskutiert. Cornel Adler vom Julius Kühn-Institut in Berlin stellt Lösungsansätze für einen an die Zeiten des Klimawandels angepassten Vorratsschutz vor. Seine Empfehlung: „Schädlingsvermeidung geht vor Schädlingsbekämpfung“, und weiter: „Lagerstätten in geeigneter Bauweise, eine gute Rohwareninspektion, vor allem aber Kühlung und Trocknung sind wirkungsvolle Maßnahmen, die zu ergreifen sind.“ Moritz von Köckritz von der Saatgut-Treuhandverwaltung gab ein Update zur viel diskutierten Erntegutbescheinigung. Malte von Bloh vom Lehrstuhl für Digitale Landwirtschaft der TU München präsentierte das Projekt „Smartfield: Potentiale von KI für den Pflanzenbau & Lebensmittelindustrie“. Seine Kernaussage: Algorithmen können genauso gut Ackerbau betreiben wie ausgebildete Menschen – was er anhand erster Erkenntnisse aus Standortversuchen darlegte. Michael Roßberger, Spartenleiter Pflanzenbau bei BAT Agrar, stellte vor, wie ein Einstieg in die THG-Bilanzierung „digital, einfach und kostengünstig“ erfolgen kann. Carina Stoll von der AG Getreidetechnologie und -verfahrenstechnik der TU München referierte über ihre Forschung zu Malzmehlen und deren Qualitäten.










