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Zum Abschluss ihres Aufenthalts wurden die „Erasmini“ im Rathaus von Volterra von Bürgermeister Giacomo Santi (Mitte) verabschiedet.
© HWK Region Stuttgart
Das Gruppenbild zeigt die Teilnehmenden des Erasmus+-Projekts und den Bürgermeister Giacomo Santi im Rathaus von Volterra.
BÄKO-magazin Ausgabe 5-26 Titelblatt
Branche aktuell

Leben und lernen in der Toskana

Für drei Monate konnten 16 Gesellinnen und Gesellen aus Süddeutschland die toskanische Stadt Volterra ihr Zuhause nennen. Die Chance dazu bot ihnen das Erasmus+-Projekt der Handwerkskammer Region Stuttgart.

In der toskanischen Stadt Volterra haben in diesem Jahr sechs Handwerkerinnen und zehn Handwerker aus Süddeutschland zahlreiche Spuren hinterlassen: Dutzende Fenster und drei große Türen der Sparkassenstiftung wurden restauriert, eine alte Steinmauer sowie eine Straße erneuert, ein Metallgeländer hergestellt, ein Relief aus Alabaster geformt und Fresken an Decken freigelegt. Die Einsatzorte und Aufgaben waren bewusst vielfältig. Für die jungen Gesellinnen und Gesellen bedeutete das: neue Arbeitstechniken kennenlernen, Verantwortung übernehmen und auch fachfremde Tätigkeiten erproben, in einer Region, in der traditionelles Handwerk und Kulturerbe eng miteinander verbunden sind.

 

Wichtige Erfahrungen gesammelt

„Ich dachte, ich hätte aus der Ausbildung schon viel mitgenommen, aber in Volterra habe ich noch einmal ganz anders gelernt“, erzählt Giuseppe Fantetti aus Stuttgart, Elektroniker mit der Fachrichtung Energie und Gebäudetechnik. Die Werte und die Herzlichkeit, die er von den Einheimischen erfahren habe, haben ihn sehr geprägt. „Diese Erfahrungen möchte ich um nichts in der Welt tauschen.“ Aus Sicht der Handwerkskammer ist das Programm deshalb weit mehr als ein Auslandspraktikum. Jan Deike, Geschäftsführer Berufliche Bildung, betont: „Gerade in Zeiten, in denen Krisen viele Menschen verunsichern, ist es besonders wertvoll zu erleben, wie durch solchen Austausch Vertrauen wächst – von Mensch zu Mensch. Dieses Projekt stärkt nicht nur Kompetenzen, sondern auch Zusammenhalt.“

 

Altes bewahren, Neues lernen

Vor allem die Wertschätzung für Bestehendes hat die Teilnehmenden, auch „Erasmini“ genannt, geprägt: „Bei uns in Deutschland wird oft schnell alles neu gemacht. Hier habe ich erlebt, wie selbstverständlich man versucht, das Alte zu bewahren und zu reparieren“, berichtet Giuseppe Fantetti. In der traditionsreichen Etruskerstadt sind vor allem Ausbau- und Restaurierungsarbeiten gefragt. So haben fünf der „Erasmini“ unter Anleitung eines erfahrenen Restaurators einen weiteren Deckenabschnitt im etruskischen Museum wiederhergestellt. „Die Arbeit hat mir wahnsinnig Spaß gemacht, besonders das feine, präzise Arbeiten hat mich fasziniert“, berichtet Sabrina Klenk, Maler- und Lackiererin aus Lenningen. Seitdem könne sie sich gut vorstellen, sich künftig stärker in Richtung Restauration zu entwickeln.

 

Neue Rezepte und Techniken

Auch für das Lebensmittelhandwerk bringt die Toskana neue Impulse. Mit dabei waren Anka Großkopf, Bäckerin aus Oberriexingen, und Michelle Hammer, Konditorin aus Freiberg am Neckar. Michelle Hammer freut sich über die vielen traditionellen, italienischen Gebäcke, die sie während ihres Aufenthalts zubereiten konnte: „Es war toll, die neuen Rezepte und Techniken zu lernen.“ Für sie steht fest: „Ich möchte noch einmal ins Ausland, um noch mehr Neues zu entdecken.“

 

Lernen fürs Leben

Zum Start des Auslandsprogramms absolvierten die „Erasmini“ einen vierwöchigen Intensivsprachkurs. „Am Anfang wurde sich bewusst Zeit genommen, um gut in die Sprache reinzukommen. Das hat mir enorm geholfen“, erzählt Raumausstatterin Josephine Düppuis. Während der zweimonatigen Arbeitsphase in den italienischen Handwerksbetrieben konnten dann die neu erlernten Sprachkenntnisse direkt in der Praxis angewendet und weiter ausgebaut werden: Tag für Tag, im Austausch mit Kollegen und Kundschaft. Zum Projekt gehört in Volterra bewusst mehr als die handwerkliche Arbeit. Keno Lanziner, Metallbauer mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik nennt die drei Monate eine „einmalige Erfahrung“, nicht zuletzt wegen des Miteinanders. „Ich habe zum ersten Mal für eine Gruppe dieser Größe gekocht, für 16 Leute“, erzählt er.

Gelebt haben die „Erasmini“ im Naturfreundehaus „Il Vile“. Besonders in Erinnerung geblieben sind die gemeinsamen Aktivitäten: ein Alabasterworkshop, Museumsbesuche, Geschichts- und Architekturseminare oder die Ausflüge nach Rom, ans Meer, zu heißen Quellen und zu den Steinbrüchen von Carrara, in denen der weltberühmte Marmor abgebaut wird. Keno Lanziners Bilanz: „Ich werde das Projekt jedem empfehlen, der im Handwerk arbeitet. Man kommt fachlich weiter – und als Mensch sowieso.“

Die Bewerbungsrunde für das nächste Jahr läuft bereits. Bewerbungsfrist ist der 30. September 2026. Weitere Informationen zum Erasmus+-Projekt gibt es auf der Website der Handwerkskammer Region Stuttgart.

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