Trotz steigender Kaufkraft und wachsender Einzelhandelsumsätze verliert der Einzelhandel innerhalb der privaten Konsumausgaben europaweit weiter an Bedeutung. Im Jahr 2025 entfielen nur noch 31,9% des gesamten privaten Konsums auf den Einzelhandel. Der Abwärtstrend setzt sich inzwischen das vierte Jahr in Folge fort. Das zeigt die neue, kostenfreie Studie „Einzelhandel Europa“ von NIQ Geomarketing, die einen Überblick über die Einzelhandelstrends in Europa bietet.
Deutliche regionale Unterschiede
Besonders Verbraucher in ost- und südosteuropäischen Ländern verwenden einen deutlich größeren Anteil ihrer Konsumausgaben für den Einzelhandel. Unter den 27 EU-Mitgliedstaaten weist Kroatien mit 48,3% den höchsten Einzelhandelsanteil auf, gefolgt von Litauen mit 45,7%, Bulgarien mit 44,0% und Ungarn mit 43,2%. Deutschland bildet hingegen das Schlusslicht der EU: Mit lediglich 22,2% entfiel weniger als ein Viertel des privaten Konsums auf den Einzelhandel. Dort fließt, wie auch in vielen anderen einkommensstärkeren westeuropäischen Ländern, ein vergleichsweise großer Teil der Konsumausgaben in Dienstleistungen und andere nicht-einzelhandelsbezogene Ausgaben.
Konsumprioritäten im Wandel
Nach einem deutlichen Anstieg von 5,5% im Jahr 2023 und einem Wachstum von 3,0% im Jahr 2024 verlangsamte sich das Wachstum des Einzelhandelsumsatzes in der EU im Jahr 2025 auf 2,1%. Dies deutet laut NIQ Geomarketing auf eine fortschreitende Normalisierung des Konsumverhaltens nach der Erholung von den Auswirkungen der Pandemie hin. „Die zentrale Erkenntnis ist nicht, dass die Europäer weniger ausgeben, sondern dass sie ihr Geld anders ausgeben“, erklärt Studienleiter Philipp Willroth aus dem Bereich Geomarketing von NIQ. „Der Einzelhandelsumsatz wächst weiterhin, doch ein zunehmender Anteil der Verbraucherbudgets fließt in Dienstleistungen und Freizeit. Dies deutet auf einen strukturellen Wandel der Konsumprioritäten in Europa hin. Eine steigende Kaufkraft führt nicht mehr automatisch zu höheren Ausgaben im Einzelhandel.“










