Die Europäische Kommission hat im Rahmen der Überarbeitung der politischen Vorgaben für Kraftstoffe angekündigt, höhere Ethanolgehalte wie E20 in Betracht zu ziehen. Der Deutsche Verband der Hefeindustrie weist in diesem Zusammenhang auf eine Rohstofffrage hin, die in der bisherigen Debatte wenig Beachtung gefunden habe: die Verfügbarkeit von Melasse für die Herstellung von Backhefe.
Von E10 zu E20: Mehr Bioethanol bedeute mehr Rohstoffbedarf
E10 ist an deutschen Tankstellen etabliert und enthält bis zu 10% Bioethanol. Bei E20 würde der Bioethanolanteil im Benzin auf bis zu 20% steigen. Bioethanol wird u.a. durch Fermentation auf Basis von Melasse gewonnen. Deshalb betreffe die E20-Debatte einen für die Herstellung von Backhefe wichtigen Rohstoff, teilt der Verband mit. Für die Hefeindustrie sei Melasse von zentraler Bedeutung. „Wer über höhere Ethanolgehalte im Benzin spricht, sollte auch die Herkunft und Verfügbarkeit der dafür benötigten Rohstoffe betrachten“, sagt Dr. Markus Weck, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verbands der Hefeindustrie. „Für die Hefeherstellung ist Melasse ein Schlüsselrohstoff. Ihre Verfügbarkeit gehört deshalb in die Bewertung von E20.“
Melasse als Nährmedium für Backhefe
Melasse entsteht bei der Zuckergewinnung aus Zuckerrüben. Sie enthält Zucker und weitere Nährstoffe, die Hefezellen für ihr Wachstum benötigen. In der Hefeproduktion ist sie deshalb das wesentliche Nährmedium. Backhefe ist eine wichtige Zutat bei der Herstellung von Backwaren in handwerklichen Bäckereien und der Backwarenindustrie. Backhefe sei somit ein systemrelevanter Rohstoff für die backende Branche, betont der Verband. „Die E20-Debatte zeigt, dass der bekannte Zielkonflikt zwischen Tank und Teller weiterhin relevant ist“, kommentiert Dr. Markus Weck. „Rohstoffe für Kraftstoffe stehen nicht losgelöst von der Lebensmittelwirtschaft. Es ist entscheidend, dass Melasse als zentrales Nährmedium für Backhefe langfristig verlässlich und bezahlbar verfügbar bleibt. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Versorgung der backenden Branche.“
Sorge um Verfügbarkeit
Der Deutsche Verband der Hefeindustrie sieht die Verfügbarkeit von Melasse infolge der reduzierten Anbauflächen für Zuckerrüben in Deutschland schon seit Jahren unter strukturellem Druck. Laut Prognose schrumpfe diese in 2026 um weitere 12,7% im Vergleich zum Vorjahr. Ein Abgang in parallele Verwertungskanäle wie für die Kraftstoffanreicherung mit Bioethanol würde die Situation aus Sicht des Verbands weiter verschärfen. Ein Abfließen der ohnehin knappen Melasse in die Ethanolproduktion bedeute eine weitere Zuspitzung. Daher müsse die Option als Rohstoff für E20 verhindert werden.










