Die Stimmung im Handwerk hat sich nach einem 15-Jahres-Tief im Vorjahr nur leicht verbessert. Viele Betriebe leiden weiterhin unter den wirtschaftlichen Herausforderungen. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie der Creditreform Wirtschaftsforschung aus Neuss. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage im Handwerk stieg lediglich von 45,8 auf 47 Prozentpunkte und bleibt damit auf niedrigem Niveau. „Ohne schuldenfinanzierte Impulse wäre Deutschland 2025 erneut in die Rezession gerutscht. Von einer echten konjunkturellen Wende kann keine Rede sein“, erläutert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Deutlich eingebrochen ist der Lageindex für 2026 im Nahrungsmittelhandwerk: 29,3 Punkte bedeuten den niedrigsten Wert aller Handwerksgruppen. 2025 betrug das Geschäftslagesaldo noch 44,2 Punkte. Rund 42% der Befragten im Nahrungsmittelhandwerk betrachten ihre aktuelle Geschäftslage als sehr gut oder gut, 46% als befriedigend oder ausreichend und 12% als mangelhaft oder ungenügend.
Jeder vierte Befragte mit Umsatzrückgang
In den vergangenen Monaten überwogen die negativen Umsatzmeldungen. 25,5% der befragten Betriebe mussten Umsatzrückgänge hinnehmen. Dieser Anteil lag zwar leicht unter dem Vorjahreswert (26,9%), jedoch verzeichneten aktuell nur 22,2% der Unternehmen ein Umsatzplus. Vom Anstieg der Konsumausgaben in Deutschland konnte das Handwerk kaum profitieren. Hoffnungen auf eine Belebung der Auftragslage in verbrauchernahen Bereichen wie dem Dienstleistungshandwerk erfüllten sich nicht. Gleichzeitig bremste die schwache Industriekonjunktur die handwerklichen Zulieferer aus. Der Umsatz im Nahrungsmittelhandwerk entwickelte sich verhalten, wo 31,7% der Befragten von gesunkenen Umsätzen berichteten (Vorjahr: 13,5%), während 58,5% stabile und 9,8% gestiegene Umsätze meldeten (Vorjahr: 32,7%). Auch das Handwerk für den gewerblichen Bedarf kämpfte mit rückläufiger Wertschöpfung. Im Bauhauptgewerbe hielten sich Umsatzsteigerungen und Rückgänge noch die Waage, während im Ausbauhandwerk auch sinkende Umsätze gemeldet wurden. Positiv blieb die Umsatzentwicklung per Saldo lediglich im Kfz-Gewerbe und im Dienstleistungshandwerk, wenngleich auch dort Einbußen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen waren.
Insolvenzen auf Zehn-Jahres-Hoch
Die Zahl der Insolvenzen von Handwerksbetrieben stieg 2025 laut der Analyse von Creditreform um 13,3% und erreichte mit 4.950 Fällen den höchsten Stand seit gut zehn Jahren (2024: 4.370). Der Anstieg fiel damit stärker aus als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. „Energie, Material, Löhne – die Kosten laufen davon. Ohne ausreichende Reserven geraten viele Betriebe schnell in existenzielle Schieflage. Unternehmensaufgaben, fehlende Nachfolger und steigende Insolvenzzahlen dokumentieren das eindrücklich“, erläutert Hantzsch.
Verhaltener Optimismus
Für 2026 rechnet das Handwerk mit einer leichten Belebung der Umsatzentwicklung. 27% der Betriebe – und damit mehr als im Vorjahr (24,3%) – erwarten laut der Branchenanalyse ein Umsatzplus. Gleichzeitig gehen 18,4% von rückläufigen Umsätzen aus (Vorjahr: 22,8%). Besonders das Bau- und Ausbauhandwerk zeigt sich hier optimistischer. Trotz der verbesserten Prognosen ist laut Creditreform insgesamt nur ein moderates Wachstum zu erwarten, da die konjunkturellen Rahmenbedingungen in vielen Bereichen schwierig blieben. Impulse könnte das staatliche Infrastrukturprogramm liefern. Die Investitionsbereitschaft war hingegen rückläufig: 47% Prozent der Betriebe planen aktuell Investitionen, nachdem es im Vorjahr noch 49,2% waren.
Hier findet sich die vollständige Analyse „Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2025/26“ (PDF) der Creditreform Wirtschaftsforschung.










