Damit weist Deutschland den höchsten Wert aller untersuchten Länder auf und liegt vor Irland und Polen mit jeweils 86%, Italien mit 75% und Großbritannien mit 71%. Gleichzeitig stimmen 61% der deutschen Unternehmen der Aussage zu, dass dies die unsicherste Zeit ist, die sie als Unternehmer oder Manager bislang erlebt haben. Deutschland liegt damit über dem internationalen Durchschnitt von 57%. „Die Ergebnisse unserer Studie verdeutlichen die besondere Situation, in der sich viele Unternehmen derzeit befinden. Die Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit, geopolitischen Konflikten, technologischen Umbrüchen und regulatorischen Veränderungen stellt zahlreiche Betriebe vor Herausforderungen, die sie in dieser Form bislang nicht erlebt haben. Gleichzeitig suchen Unternehmen aktiv nach Wegen, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zunehmend zentrale Rolle“, sagt CRIF Deutschland Geschäftsführer Dr. Frank Schlein.
Steigende Kosten bleiben die größte finanzielle Sorge
Die größte unmittelbare Herausforderung für deutsche Unternehmen sind steigende Kosten. Mehr als die Hälfte der Befragten, nämlich 54%, erwartet, dass die eigenen Betriebskosten in den kommenden zwölf Monaten deutlich steigen werden. Darüber hinaus rechnet jedes vierte Unternehmen mit sinkenden Gewinnen. Ebenfalls 25% äußern die Sorge, bei der Entwicklung von KI-Anwendungen und neuen technologischen Möglichkeiten ins Hintertreffen zu geraten. Auch die Sicherung der finanziellen Stabilität beschäftigt viele Unternehmen. 21% sehen Risiken bei der Erfüllung laufender Zahlungsverpflichtungen wie Gehältern, Krediten oder Lieferantenrechnungen. Weitere 20% erwarten Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Cashflows. Während 18% mit einer generellen Verschlechterung ihrer finanziellen Situation rechnen, sorgen sich 17% um den Zugang zu Finanzierungen und Krediten.
Inflation, Konjunktur und geopolitische Krisen gelten als größte externe Risiken
Die Ursachen dieser Unsicherheit sehen viele der Unternehmen vor allem außerhalb ihres direkten Einflussbereichs. Auf die Frage nach den makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen, die ihr Geschäft in den kommenden zwölf Monaten am stärksten belasten könnten, nennen deutsche Unternehmen insbesondere Inflation, wirtschaftliche Abschwächung und internationale Konflikte.
Mit 48% wird die anhaltend hohe Inflation zusammen mit steigenden Kosten als größter externer Risikofaktor genannt. Deutschland liegt damit deutlich über Großbritannien und Polen mit jeweils 37% sowie über Italien mit 33%. Gleichzeitig sorgen sich 39% der Unternehmen über eine Abschwächung der deutschen Wirtschaft, während 36% negative Auswirkungen durch eine schwächere konjunkturelle Entwicklung in Europa befürchten. Geopolitische Risiken gewinnen ebenfalls weiter an Bedeutung. 33% der deutschen Unternehmen nennen die Konflikte und die Instabilität im Nahen Osten als potenziellen Belastungsfaktor für ihr Geschäft. Weitere 31% rechnen mit negativen Auswirkungen durch die angespannten Beziehungen zwischen Europa und den USA, beispielsweise durch neue Handelsbarrieren oder zusätzliche Zölle.
Viele Unternehmen erleben eine nie dagewesene Unsicherheit
Die wirtschaftlichen Herausforderungen beschränken sich längst nicht mehr auf einzelne Kostenpositionen. Für viele Unternehmen wird vielmehr die fehlende Planbarkeit zum zentralen Problem. Sieben von zehn deutschen Unternehmen geben an, dass die aktuelle globale Lage langfristige Planungen erschwert. Deutschland weist damit den höchsten Wert aller untersuchten Länder auf. Während in Großbritannien 60% Prozent der Unternehmen diese Einschätzung teilen, liegt der Wert in Italien bei 55%, in Irland bei 52% und in Polen bei 57%. Die Zahlen verdeutlichen, dass deutsche Unternehmen die aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen besonders stark als Hindernis für langfristige strategische Entscheidungen wahrnehmen.
Die Unsicherheit wirkt sich aus Sicht vieler Unternehmen inzwischen unmittelbar auf das Marktumfeld aus. 65% der deutschen Unternehmen sind der Ansicht, dass die aktuelle wirtschaftliche und geopolitische Lage die Konsumnachfrage reduziert. Gleichzeitig sagen 73%, dass hohe Kosten und Inflation die Führung eines Unternehmens zunehmend erschweren, und 57% sehen geopolitische Spannungen als zusätzlichen Unsicherheitsfaktor für ihr Geschäft. In der Summe entsteht ein Umfeld, das viele Entscheider als außergewöhnlich belastend empfinden: 61% der deutschen Unternehmen geben an, aktuell die unsicherste Phase ihrer bisherigen unternehmerischen Laufbahn zu erleben.
Unternehmen reagieren mit Anpassungen und verstärktem KI-Einsatz
Die wirtschaftlichen Herausforderungen bleiben nicht ohne Folgen. Viele Unternehmen haben bereits konkrete Maßnahmen ergriffen, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen und Kosten zu reduzieren. Besonders auffällig ist die Rolle von Künstlicher Intelligenz. 46% der deutschen Unternehmen setzen KI inzwischen gezielt zur Kostensenkung ein. Damit nimmt Deutschland im internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein. In Irland nutzt nur knapp jedes dritte Unternehmen (29%) KI zu diesem Zweck, während die Werte in Polen (25%), Italien (22%) und Großbritannien (21%) deutlich niedriger ausfallen.
Darüber hinaus haben 32% ihre Wachstumspläne überarbeitet, während ebenfalls 32% Neueinstellungen pausiert oder verschoben haben. Weitere 30% konzentrieren sich stärker auf Kosteneffizienz als auf andere Unternehmensaktivitäten, und 24% haben Expansions- oder Investitionspläne angepasst beziehungsweise verschoben. Trotz der zahlreichen Unsicherheiten bleibt das Vertrauen in die grundsätzliche Stabilität Europas erhalten. So stimmen 52% der deutschen Unternehmen der Aussage zu, dass Europas Finanzsystem stark genug ist, Unternehmen auch in Zeiten globaler Krisen zu unterstützen. Gleichzeitig sorgen sich jedoch 55% um die finanzielle Widerstandsfähigkeit einzelner Banken und Finanzdienstleister. 24% der deutschen Unternehmen stimmen der Aussage zu, dass ihr Unternehmen die kommenden zehn Jahre möglicherweise nicht überstehen wird. Mehr als die Hälfte der Befragten lehnt diese Einschätzung dagegen ab.










