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Im Vergleich zu vor drei Jahren ist für viele Betriebe im Mittelstand die Belastung durch Bürokratie gestiegen.
© Der Mittelstandsverbund
BÄKO-magazin Ausgabe 12-25 Titel
Branche aktuell

Bürokratie als Belastung

Die wirtschaftliche Stimmung im kooperierenden Mittelstand bleibt angespannt. Wie eine aktuelle Konjunkturumfrage des Mittelstandsverbundes unter seinen Mitgliedern zeigt, bremsen Bürokratie, Unsicherheit und hohe Standortkosten viele Betriebe aus.

„Die Stimmung im kooperierenden Mittelstand ist ernüchternd – zu viel Bürokratie, zu wenig Planungssicherheit. Viele Unternehmen stemmen sich mit aller Kraft gegen die Unsicherheit am Markt, stoßen aber zunehmend an ihre Grenzen. Das angekündigte Entlastungspaket der Bundesregierung vom 5. November kommt zur rechten Zeit – entscheidend wird aber sein, ob es wirklich Wirkung entfaltet. Denn das Vertrauen der Unternehmen in den Standort Deutschland bröckelt“, betont Dr. Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer Der Mittelstandsverbund. „Was die Betriebe brauchen, ist endlich politische Entlastung und Vertrauen in stabile Rahmenbedingungen. Sonst bleibt Deutschland wirtschaftlich auf der Bremse“, sagt Bergmann weiter.

 

Stagnierende Umsätze und Erträge

An der Konjunkturumfrage des Mittelstandsverbundes zum 3. Quartal 2025 beteiligten sich 46 Unternehmen aus 15 Branchen. Diese repräsentieren mehrere tausend angeschlossene mittelständische Unternehmen. Abgefragt wurden unter anderem Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage, Umsatz-, Ertrags- und Investitionsentwicklung sowie politische Erwartungen. Beim Umsatz melden 37% der Verbundgruppenzentralen für das 3. Quartal 2025 rückläufige Werte, 30% gleichbleibende und 33% steigende. Für den weiteren Jahresverlauf überwiegt die Vorsicht: Nur 24% der Verbundgruppen erwarten steigende Umsätze, 35% rückläufige. Auf Ebene der Anschlusshäuser zeigt sich das Bild noch gedämpfter: Hier melden 44% stabile Umsätze, aber 37% Rückgänge und nur 13% Zuwächse.

Auch bei den Erträgen überwiegt der Druck – 41% berichten von rückläufigen Ergebnissen, während nur ein Fünftel (20%) steigende Erträge erzielte.

 

Zurückhaltung bei Investitionen, stabile Beschäftigtenzahlen

Die Investitionstätigkeit stagniert laut der Erhebung: 26% investierten in Q3 2025 stärker als noch im gleichen Zeitraum 2024, 24% weniger, die Mehrheit (50%) hielt sich konstant. Eine ähnliche Zurückhaltung zeigt sich für den Rest des laufenden Geschäftsjahres.

Die Beschäftigtenzahlen präsentieren sich stabil: Zwei Drittel (67%) der Unternehmen hielten ihre Mitarbeiterzahl im 3. Quartal 2025, während 13% aufbauten und 20% reduzierten. Für das Gesamtjahr erwarten 78% der Kooperationen gleichbleibende Beschäftigung. „Viele Unternehmen investieren deutlich vorsichtiger – und das nicht aus Mangel an Ideen. Wenn die Politik die Bremsen nicht löst, drohen wir jedoch an Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren“, warnt Mittelstandsverbund-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Bergmann.

 

Was bremst das Wachstum?

Auf die Frage nach den größten Wachstumshemmnissen nennen die Unternehmen aus dem kooperierenden Mittelstand vor allem die Nachfrageunsicherheit (31%) und Bürokratie (27%), gefolgt vom Fachkräftemangel (19%) und den Energiekosten (10%).

Ein alarmierendes Signal: 85% der Unternehmen und damit mehr als 8 von 10 Kooperationen berichten von gestiegener bürokratischer Belastung im Vergleich zu vor drei Jahren – die Hälfte sieht dies sogar deutlich. Auch Nachhaltigkeits- und Berichtspflichten wie das Lieferkettengesetz oder ESG-Vorgaben setzen viele Betriebe unter Druck: Über die Hälfte (54%) fühlt sich dadurch eher stark oder sehr stark belastet.

 

Bürokratieabbau soll beschleunigt werden

Mit dem Entlastungspaket vom 5. November 2025 will die Bundesregierung den Bürokratieabbau beschleunigen. Der Mittelstandsverbund begrüßt diesen Ansatz – „Wichtig ist aber, sich jetzt in den ‚Sofortprogrammen‘ nicht zu verzetteln“, kommentiert Dr. Henning Bergmann. „Was der Mittelstand jetzt braucht, sind nicht nur langfristig angelegte Ankündigungen, sondern mehr spürbare Vereinfachung – insbesondere beim Berichtswesen und bei Genehmigungsprozessen.“

Zwar steckten im Paket laut Mittelstandsverbund auch strukturell wichtige Maßnahmen – etwa zur Beschleunigung von Infrastrukturprojekten und zur Verwaltungsmodernisierung – doch der unmittelbare Druck auf viele Mittelständler bleibe bestehen. Eine EU-Beschleunigungsagenda könne zwar hilfreich sein, delegiere die Verantwortung aber teilweise nach Brüssel. „Die Entlastung muss in Deutschland ankommen – in den Betrieben, nicht nur in den Konzeptpapieren“, fordert Bergmann.

 

Klare politische Erwartungen

Steigende Betriebskosten und Regulierung gefährden zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit: Mehr als ein Drittel (34%) der Unternehmen empfindet die Belastung als stark oder existenzbedrohend, fast die Hälfte (48%) bezeichnet sie als spürbar, aber immerhin verkraftbar. Entsprechend deutlich sind die politischen Erwartungen:

  • 41% der befragten Unternehmen fordern einen Abbau von Bürokratie,
  • 22% eine Senkung von Steuern und Abgaben,
  • 15% eine bessere Fachkräftepolitik.
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