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Hunderte Familien können mit den rollenden Backstuben regelmäßig mit Brot versorgt werden.
© Michael Winter
BÄKO-magazin Ausgabe 5-26 Titelblatt
Branche aktuell

Brot für die Ukraine

Engagierte Bäckermeister aus Deutschland leisten Ukrainern Hilfe zur Selbsthilfe. Sie fahren mobile Backstuben in Kriegsregionen und nehmen diese gemeinsam mit ukrainischen Bäcker/innen in Betrieb.

Frisches Brot für die Ukraine: Engagierte Innungsbäcker aus Baden-Württemberg, Bayern und Berlin machen dies in Kooperation mit den Hilfsorganisationen „Space-Eye“ und ermstal-hilft möglich – und zwar mit rollenden Backstuben und einer neu eingerichteten Kleinstbäckerei direkt an der Frontlinie. So ging die erste Bäckerei auf Rädern – ein ausgemusterter Bäckerwagen des Schweizer Militärs – im Jahr 2023 in die betroffene Region bei Nikopol. Die zweite geht Ende September 2025 per Spedition nach Mykolajiw. Die Stadt mit rund 470.000 Einwohnern wurde am 10. November 2022 von der Ukraine zurückerobert.

 

Kleinstbäckerei errichtet

Erst Anfang September wurde in einer „Blitzaktion“ von nur einem Tag zusätzlich eine Kleinstbäckerei ganz in der Nähe der Frontline nahe Saporischschja errichtet – in einem Nebenraum einer Kirche. Diese umfasst einen kleinen Elektro-Ofen mit einer 0,8 qm Backfläche, einem Hubkenter und 4er Verbundkapseln. Damit können die Bäcker/innen vor Ort – nach einer kurzen, aber intensiven Einarbeitung durch Bäckermeister Michael Winter – ca. 250 Brote á 350g statt nur 30 Brote pro Tag in einem Holzofen backen.

„Ich habe dort zum ersten Mal Brote gebacken mit Mehl aus dem Welternährungsprogramm (WFP der UN) Notrationen für Krisengebiete“, berichtet Winter im Gespräch mit dem BÄKO-magazin. Für die Menschen vor Ort ist das eine große Hilfe gegen die vorherrschende Lebensmittelknappheit. Zudem werden auch Soldaten in Stellungen damit versorgt.

Allein mit der rollenden Backstube im Schweizer Armeewagen, die eine Backfläche von 12qm hat, können allein zwei bis drei Bäcker bis zu 600 Brote á 750g täglich backen und viele Menschen regelmäßig mit Brot versorgen. „Das haben wir an Ostern geschafft“, sagt Winter und berichtet weiter: Die Not und Bedürftigkeit sei sehr groß durch einen große Zahl an Binnenflüchtlingen aus anderer Regionen. „Wir wollen da helfen, wo Hilfe wirklich nötig ist und nicht ukrainischen Bäckereien Konkurrenz machen. Die brauchen ihre Wertschöpfung dringend um die Kriegskrise zu überwinden.“

 

Menschen zeigen große Dankbarkeit

Winter, der sich bereits etliche Male an Hilfseinsätzen in der Ukraine beteiligte, beobachtet eine große Dankbarkeit, aber auch Hoffnung seitens der Menschen, die in der Kriegsregion leben. Trotz der andauernden Gefahr durch Raketen, Drohnen und Bomben leben die Menschen überwiegend einen normalen Alltag. Und jeder packt an, wo er oder sie kann: Die einen bauen Getreide an, ernten und mahlen es. („Wer sät, hat Hoffnung“, so Winter) Andere erlernen die Funktionsweise der mobilen Backstuben und versorgen die Bevölkerung und Soldaten mit Broten. Ältere Frauen flechten Fischernetze, mit denen kritische Infrastruktur, wie etwa Brücken oder aber auch die mobilen Backstuben, überspannt werden. Drohnen verfangen sich darin und können keinen Schaden anrichten.

 

Zweite mobile Backstube in Planung

Für Ende Oktober plant der Metzinger Bäckermeister, der in seiner Region bei „ermstal-hilft“ engagiert ist, eine erneute Reise in die Ukraine. Gemeinsam mit Bäckermeister Florian Domberger aus Berlin wird er dann die zweite mobile Bäckerei in Betrieb setzen und Bäcker vor Ort sowie deren Mitarbeiter schulen.

Der bayerische Bäckermeister Rainer Dietl, Innungsbäcker aus der Region Straubing, unterstützt zusammen mit der Hilfsorganisation „Space-Eye“ in allen organisatorischen Dingen: Gemeinsam mit seinem hoch engagierten Team stößt er mit einem humanitären Hilfstransport dazu und unterstützt zusätzlich beim Backen. „Unsere Hilfe ist auf Hilfe zur Selbsthilfe und Dauerhaftigkeit angelegt. Selbst wenn der Krieg mal aus ist – ist die Not längst nicht vorbei", macht Winter deutlich.

 

 

 

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