Der technische Fortschritt läuft immer schneller ab, doch die Workforce schwindet durch die Pensionierung der Babyboomer-Genration rapide. Volatile Märkte, die durch Kriege, Klimawandel und andere Krisen beeinträchtigt sind, fordern entschlossenes Handeln. Die BÄKO-ZENTRALE baut ihre Strategie auf langfristige Lieferantenpartnerschaften, intensiven Wissensaustausch, Innovationskultur, digitale Transparenz sowie frühzeitige Trend- und Risikoanalysen. „Im Team werden wir alle Hürden meistern“, ist Jean-Pierre Nachtsheim (Geschäftsführer der BÄKO-ZENTRALE ), überzeugt.
Neben der kontinuierlichen Arbeit in den Arbeitskreisen ist der Technik- und Innovationstag dafür das prominenteste gruppenübergreifende Medium, bei dem in diesem Jahr Spültechnik, Eiserzeuger, Ladengestaltung und Dampfreinigung im Mittelpunkt standen.
Innovative Marktbearbeitung im Team
Tobias Buschmann (Abteilungsleiter Maschinen & Geräte in der BÄKO-ZENTRALE) und sein Organisationsteam begrüßten zunächst Harald Disch (Director Global Innovation) und Stefan Pallas (Key Account Bäckerei) von Spültechnikhersteller Hobart. Unter dem Motto „Fortschritt entsteht selten allein“ demonstrierten sie, wie kundenorientierte Innovation im engen Austausch mit den Kunden und ihren speziellen Bedürfnissen bzw. Problemstellungen entsteht. Der BÄKO-line-Partner konnte so u.a. den Wasser- und Energieverbrauch sukzessive senken und wirksame Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel (Vorreinigung, Selbstreinigung, Programmoptimierung, Automatisierung etc.) implementieren.
Für Global Product Manager Daniel Ricker und Key Accounter Mariusz Kriegbaum von Maja (nun ein Teil von JBT Marel) ist Innovation derzeit vor allem getrieben von den gesetzlichen Vorgaben der F-Gas-Verordnung, aufgrund derer die Scherben- und Nuggeteiserzeuger des Unternehmens umfassend neu konzipiert wurden. Die so entstandenen „SAH EcoPro“-Geräte, die zur Südback auch in der BÄKO-line verfügbar sein werden, verwenden als Kältemittel Propan und wurden gleichzeitig durch ein „einzigartiges Sicherheitskonzept“ ergänzt: Zukunftssicherheit trifft somit auf Nachhaltigkeit. Neue Möglichkeiten in Dosierung, Lagerung und Automatisierung ergänzen das Portfolio entsprechend.
Vertriebsleiter Daniel Seyerle von AHA 360° lud die Tagungsteilnehmer ein auf eine Trendtour, die verdeutlichte, wie Ladenbau, Licht, Akustik und Beratung zusammenwirken, um die richtige (alias verkaufsfördernde) Atmosphäre zu schaffen. Prozessoptimierung, Lifestyle, Markenbildung und das Leiten von Kundenströmen sind für ihn ebenso wichtige Aspekte wie die Schaffung von Mehrwert durch gezielte Kommunikation. Das Endziel lautet Differenzierung – durch Einzigartigkeit, Instagrammability und Community Building. „Der Aufenthalt der Kunden im Sitzbereich muss ein kleiner Kurzurlaub sein!“
Innovative Dampfreinigung ohne Chemie ist das Thema von beam-Geschäftsführer Marco Wiedemann. Die u.a. vom Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure (BVLK) zertifizierten Geräte nutzen 180° heißen Trockendampf zur Flächenreinigung und sie können gleichzeitig als Nass- und Trockensauger eingesetzt werden. Keimabtötung durch UV-Technik und Raumluftverbesserung sind weitere innovative Aspekte. Von der Effizienzsteigerung, gerade in Problembereichen der Produktion, kann man sich auch durch eine Demonstration vor Ort überzeugen.
Zukunft – in Gesellschaft und Backstube
Die rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten neben einem Einblick in die technische Innovationslandschaft auch wertvolle Impulse aus anderen Bereichen. Das begann schon beim Vorabendtreffen, wo sich Dinner Speaker Florian Schroeder satirisch und analytisch mit dem Begriff den aktuell stark verhärteten Positionen im öffentlichen Diskurs beschäftigte: ein Plädoyer für Toleranz und die Resilienz, auch einmal (möglichst vorurteilsfrei) andere Meinungen auszuhalten.
Siegfried Brenneis von der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim schilderte Herausforderungen und Chancen für Bäcker aus Sicht des Praktikers und ordnete dabei vor allem die Rolle der Technik im traditionellen Handwerk ein. Maschinen, so sein Fazit, sind für Aspekte wie Sicherheit, physische Arbeitserleichterung und Zeitoptimierung unentbehrliche Werkzeuge geworden, die aber keinesfalls den Menschen ersetzen, sondern ihm vielmehr (so auch Robotik und Künstliche Intelligenz) dankbar angenommene Freiräume schaffen können.
Noch weiter nach vorne geht der Blick von Trend- und Zukunftsforscher Tristan Horx, der sich selbst als „wütenden Optimisten“ bezeichnet. Horx sieht unsere Gesellschaft derzeit in einer „Krise des Übergangs“ vom fossilen ins digitale Zeitalter, in der teils sehr widersprüchliche Trends für gesellschaftliche Verunsicherung folgen. Aus seinen scharfsichtigen Analysen der unterschiedlichen Generationen von den Babyboomern bis zur jetzt in die Berufswelt startenden Generation Alpha (2010-2025) skizzierte er die Entwicklung der Lebenswelten und beruflichen Herausforderungen. Seine Empfehlungen an die Betriebe: junges Blut in die Unternehmen holen, um Rebellion und Weisheit zu kombinieren, „Generationenübersetzer“ finden und sich darauf einlassen, voneinander zu lernen. Die Zukunft sieht Horx optimistisch, wenn erweiterter Bildungsstand und hohe Lebenserwartung auf einen Wirtschaftsaufschwung nach dem Ende des fossilen Zeitalters treffen und die Schattenseiten der Digitalisierung eingedämmt sind: „Keine Sorge, die Korrekturwelle beginnt gerade!“











