So malerisch die Lokalität der diesjährigen Generalversammlung auch sei, so realistisch müsse man doch einen den Blick auf das zurückliegende Geschäftsjahr richten, eröffnete Scheiber seinen Vortrag im Ravensburger Erlebnishofgut Hügle. Es seien zwar durchaus viele Erfolge zu verzeichnen – beispielsweise könne der Standort Türkheim nun als komplett abgeschlossen betrachtet werden, „wenngleich uns dieser Abschluss über alle Maßen gefordert hat!“ Dennoch sei 2025 ein Jahr der Herausforderungen gewesen – was sich in 2026 weiter durchziehe, bzw. sogar zunehmend verschärft habe. Ein Hauptaugenmerk lag in 2025 auf einer Zusammenfassung und Straffung der Touren. Hier habe man betriebswirtschaftlich notwendige Anpassungen getroffen: Auch wenn dies manchmal mit neuen Gegebenheiten für die Betriebe einhergingen, hätte sich diese Strategie als ebenso richtig erwiesen wie die Einführung einer Liefer- und Aufwandspauschale.
Potenziale fördern
Auch im zurückliegenden Jahr habe sich gezeigt, dass den Frischwaren eine immer noch steigende Bedeutung zukomme – seitens der BÄKO Württemberg sieht man weiterhin noch wachsende Absatzpotenziale der Mitgliedsbetriebe für Frühstück und Mittagssnack beim Bäcker. Ein deutlich verringertes Mehlgeschäft sei die logische Konsequenz von Betriebsschließungen; dass das Lagergeschäft auch in 2025 weiter hätte ausgebaut werden können zeige, dass man sich hier in die richtige Richtung bewege. Investiert worden sei vergleichsweise sehr wenig, wenn dann vor allem im Bereich der Fahrzeuge. Scheiber sprach davon, dass sich in der Konsequenz ein ausgeglichenes, wenngleich „historisch niedriges Jahresergebnis“ ergeben habe, das leicht unter dem Planungsergebnis liegt; aufgrund der Ertragslage konnte konnte keine Rückvergütung ausgeschüttet werden.
Dass es der BÄKO Württemberg gut gelingen wird in diesen schwierigen Zeiten den richtigen Kurs zu halten machte die Wahl des Rahmenprogramms deutlich. Als zweiten, sowohl lehrreichen als auch unterhaltsamen Teil stand hier Dr. Carl Naughton vor den Mitgliedern und referierte über „Anpassungsintelligenz“. Demnach seien die wichtigste Zutat für Erfolg nicht mehr die harte Faktenlage, sondern das notwendige „situative Gespür“ – ein Vortrag, der dazu anregte Abläufe im Betrieb mal sokratischen Fragen zu begegnen und alte Muster zu durchbrechen. Gleichzeitig erklärte Naughton wie existenziell wichtig dabei der gegenseitige Austausch – beispielsweise im Rahmen dieser Generalversammlung – ist: „Denn zusammen können Sie sich viel besser die Löcher in Ihrer Wahrnehmung stopfen und können ihre Eindrücke zusammentragen.“
Gemeinsamer Austausch wichtig
Dieses gemeinsame Miteinander sei wichtiger denn je, betonte Scheiber. Denn die Situation im aktuellen Geschäftsjahr 2026 lasse wenig Spielraum für positive Erwartungen. Das Bäckerhandwerk habe mengenmäßig rund 6% verloren, immer mehr Verbraucher würden zu billigen Alternativen greifen, „der sprichwörtliche Kuchen wird also kleiner“. Konfrontiert mit dieser Lage sehe man weiteren Handlungsbedarf auf der Kostenseite erläuterte Scheiber. Ein Baustein ist hier die Tourenreduktion – diese seien von 52 auf 43 Tagestouren verringert worden, wodurch sich etwa allein im März Einsparungen von 12% ergeben hätten – gleichwohl eine sehr erforderliche Maßnahme angesichts der parallelen Kostenexplosion, etwa für Kraftstoff. Aktuell verzeichne man in den ersten drei Jahresmonaten 7,6% weniger Umsatz als noch im Vorjahr und liege hier rund 230 Tsd. Euro geringer als geplant. Ein wichtiges Hauptaugenmerk aller müsse daher das Thema der Auslastung sein: „Je mehr Einkauf, desto besser die Auslastung!“
Vorstand und Aufsichtsrat wurden einstimmig entlastet, ebenso einstimmig wurden die turnusgemäß ausscheidenden AR Martin Reinhardt, Philipp Schulze und Michael Stemke wiedergewählt. Der aus Altersgründen ausscheidenden AR Joachim Günther wurde feierlich verabschiedet – für ihn wurde Seraphine Mayer-Wagner neu in den AR gewählt.
Kennzahlen 2025
Umsatz: 230,13 Mio. Euro
Eigenkapitalquote: 57,5%
Bilanzgewinn: 670.6 Tsd. Euro
Mitglieder: 793 (-31)










