Was im Verlauf der drei Tage in Lübeck sehr deutlich wurde: Wer weiß wie, kann auch heute (und zukünftig) als Unternehmer/in im backenden Gewerbe nicht nur bestehen, sondern auch die wirtschaftlichen Ziele bzw. organisches Wachstum erreichen. Welche Schlüsselfaktoren dies ermöglichen und wie man sie einsetzt, wurde beim BÄKO-Workshop ergründet – Individualität, Relevanz, Klarheit, Trendbeobachtung, strukturierter Umgang mit der Künstlichen Intelligenz, stringente Kundenorientierung und intelligentes Neuromarketing lauten die Überschriften. Garniert mit einer ordentlichen Prise Zukunftsoptimismus legen sie die Basis für resiliente und zukunftstaugliche Bäckereien und Konditoreien.
Praxisnahe Fragen und Antworten
„Individualität ist keine Extravaganz, sondern eine der stärksten Antworten gegen den Wettbewerbsdruck – und Vielfalt ist unser Thema“, machte Stefan Strehle, Vorstandssprecher der BÄKO-ZENTRALE, gleich zu Beginn des diesjährigen BÄKO-Workshops deutlich. Zwölf Topreferenten und zusätzliche Diskussionsgäste waren aufgeboten, um Mittel und Wege aufzuzeigen. Und das präferierte Thema konnte zusätzlich im kleineren Kreis in spannenden Intensivierungen vertieft werden. Übergreifend wurde das BÄKO-Workshop-Motto 2026 „Volle Kraft! – Lebe Deine Individualität“ anhand von vier Themenblöcken mit Leben erfüllt.
„Volltreffer! Das Ringen um Aufmerksamkeit“: Wie können Bäckereien und Konditoreien konturenscharf aus der Überfülle an medialem Grundrauschen positiv hervortreten? Eine Antwort: durch die Relevanz der Botschaften! Rhetorikprofi und Autor René Borbonus definierte den Begriff der Relevanz: Welche Kriterien sind dafür maßgeblich (einfach & konkret, glaubwürdig & wahr, unerwartet, emotional) und mit welchen Mitteln gelingt es, Relevanz in ein individuelles Profil zu überführen (Humor, Storytelling, Disziplin, Schönheit). Menschen treffen Entscheidungen emotional, unbewusst und wahnsinnig schnell. Diese Mechanismen des Neuromarketings helfen dabei relevante Botschaften zu entwickeln, die nicht nur gesehen, sondern gefühlt werden, wie Gesa Lischka und Dr. Jonathan T. Mall auf der BÄKO-Workshop-Bühne eindrucksvoll demonstrierten. Wer versteht, was seine Zielgruppe wirklich bewegt (und deren Gehirne unwillkürlich entscheiden), schafft wertvolle Angebote – und gewinnt. Volltreffer sind kein Zufall. Sie entstehen aus Verständnis, konsequentem Fokus auf die Menschen – und Klarheit: Franziska Brandmeier, Expertin für Neuroscience und Psychologie, ging auf der Bühne der Frage nach den Voraussetzungen für klares Denken nach.
„Voll im Hype!“: Der Markt für Brot und Backwaren einen signifikanten Paradigmenwechsel, der durch ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein, den Wunsch nach Nachhaltigkeit und eine Rückbesinnung auf traditionelle Handwerkskunst geprägt ist. Es scheint, als stünden unterschiedliche Zielgruppen und Generationen in einem Sinn- und Wertewettbewerb. Wie man unterschiedliche Kundenbedürfnisse in unterschiedlichen Situationen befriedigt und welche Rolle dabei Megatrends wie Gesundheit, Regionalität oder Nachhaltigkeit spielen, erläuterte die Nachhaltigkeits- und Food-Expertin Prof. Dr. Carloyn Hutter. Die Sortimente sind in einer dynamischen Entwicklung – ist deshalb eine komplette Neuorientierung notwendig? Nicht unbedingt, wie Bäcker- und Konditormeister und Betriebsberater Thomas Backenstos mit zahlreichen Praxisbeispielen verdeutlichte. Trends richtig einzuschätzen, dabei auch nicht alles mitzumachen, und dennoch ein zeitgemäßes, vielfältiges Sortiment zu bieten – der erfahrene Praktiker zeigte auf, wie das im Handwerk gelingt. In jedem Fall geht es darum, sich als backender Unternehmer des Wandels bewusst zu sein, dort wo sinnvoll, Trends handwerksgerecht zu adaptieren und das eigene Angebot regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen.
„Voll vernetzt!“: Wie bleibt man bei der umwälzenden und immer stärker an fahrt aufnehmenden Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) am Ball? Die Kompetenz im Umgang ist entscheidend, denn überall dort, wo technologische Innovationen den Alltag spürbar erleichtern, entfalten sie ihren größten Nutzen: Stabilere Abläufe, erweiterte Reichweite und mehr Unabhängigkeit von personellen Engpässen stellen realistische Ziele der KI-gestützten Prozesse im backenden Handwerk dar: ob im Büro oder in der Backstube. Wer KI versteht, dynamisch dranbleibt und pragmatisch nutzt, gewinnt Tempo, Klarheit und neue Motivation im Arbeitsalltag – dies zog sich als Erkenntnis durch zahlreiche Beiträge und wurde dann von Gregor Schmalzried eindrucksvoll untermauert. Der aus dem Fernsehen bekannte Fachjournalist gewährte zudem spannende Einblicke in die zwei großen Rennen am globalen KI-Markt: Wer erringt die Vorherrschaft und wie lässt sich die Lücke zwischen den Wissensständen von Mensch und Maschine schließen. Prof. Dr. Klemens Skibicki alias „Profski“ schlug in seinem Vortrag einen beeindruckenden Bogen von der Steinzeit bis ins KI-Zeitalter und transportierte so letztlich die Botschaft, dass Change-Prozesse vor allem eine Frage von Haltung, Verständnis und Menschlichkeit sind.
„Voll abgeliefert!“: Erlebnisstarke Marken im backenden Handwerk zeichnen sich durch Qualität, Atmosphäre, persönliche Beratung und handwerkliche Inszenierung aus und haben großen Einfluss auf die Kaufentscheidungen der Kunden. Die Points of Sale einer Bäckerei oder Konditorei sind deutlich facettenreicher und erstrecken sich auf alle Bereiche, wo Kaufentscheidungen getroffen werden, stationär und digital. Theresa Schleicher als renommierte Handelsanalystin zeigte auf, wo sich zwischen Globalisierung und Sehnsucht nach Lokalem, Regeneration und Nachhaltigkeit sowie Technologie und Digitalisierung neue Marktchancen auftun. Wichtig ist zudem, wie die Ware zum Kunden kommt. Und voll abliefern werden genau die Betriebe, die ihren Vertrieb neu denken: vernetzt und kundenorientiert – ebenso flexibel wie ihre Zielgruppen. Das Resultat ist dann im Idealfall ein „kritischer Zukunftsoptimismus“, wie ihn der abschließende Keynote Speaker Daniel Anthes skizzierte: Esskultur pflegen, Widersprüche aushalten und für sich nutzen, Motivation und moralische Ambition hoch halten.
Und dann war da noch: der Beitrag, der wirklich alle von den Sitzen riss und zu Standing Ovations animierte! Sandkünstlerin Frauke Menger und „Business Poet“ Josef Bertl brannten mit „Datamorgana. KI on Stage!“ ein Feuerwerk ab, das große visuelle Kunst mit launiger, zuweilen unvermutet tiefgründiger lyrischer Analyse der Weltwirtschaft zu einem furiosen Spektakel vereinte.
Dialog und Praxis
Neben den Impulsen der Referentinnen und Referenten sorgten mehrere Bühnendialoge für die Rückbindung der behandelten Themen an die alltägliche Praxis. Bäckerinnen und Bäcker diskutierten hier gemeinsam mit den Experten und dem Plenum, moderiert durch das erneut blendend aufgelegte Moderatorenteam Steffi Renz und Marcus Höffer, das diesmal durch Vanessa Buderus ergänzt wurde. Wie verschafft man seinem Betrieb mehr Sichtbarkeit? Welche Rolle spielen dabei Auftreten und Sortiment? Was wünscht sich die Kundschaft und wie erfüllt man ihre Bedürfnisse? Diese und weitere Fragen führten zu Praxisbeispielen mit Relevanz. Lea Wagner, Felix Terjung, Maximilian Kraus und Stephan Siebers berichteten über ihre Betriebe, die dahinterstehenden Konzepte und Herangehensweisen. Sie lieferten damit nicht nur eine Menge an inspirierenden Ideen, sondern auch spannende Einblicke in die Vielfalt des backenden Handwerks. Eine der Kernbotschaften: Individualität zahlt sich aus! Sowohl in der Außendarstellung als auch im Sortiment lassen sich dadurch Beziehungen stärken. Erhöhte Sichtbarkeit, Wiedererkennung und nachhaltige Kunden-/Mitarbeiterbindung sind nur einige der positiven Resultate.
Am Montag, dem zweiten Tag des BÄKO-Workshops, wurde die Zusammenarbeit in Kleingruppen vertieft. In insgesamt sieben Intensivierungen erarbeiteten sich die Teilnehmenden unter Anleitung der Experten hilfreiche Bausteine für ihren Berufsalltag. Das Repertoire reichte von Lebensmittel- und Verbrauchertrends über den Einsatz von KI bis hin zu Verkaufstraining und Sandmalerei. Der lebendige Austausch und die ergebnisorientierte Zusammenarbeit machten deutlich, wie stark die Branche vom gemeinsamen Wissenstransfer und dem Blick über den Tellerrand profitiert.
Voll abgeliefert hat somit auch der diesjährige BÄKO-Workshop mit seinem spannenden Mix aus Fakten, Benchmarking und Erfahrungskurven.
Der Kongress tanzt(e) wieder
Eingerahmt war der beliebte Branchenkongress wie immer durch glanzvolle Events, bei denen die diesmal rund 280 Teilnehmenden den Austragungsort besser kennen lernen, dem Networking frönen und ausgelassen feiern konnten. War es am ersten Abend der Besuch in der beeindruckenden Schiffergesellschaft mit 600 Jahren Lübecker Hanse-Tradition, so wartete am zweiten Abend die inzwischen schon legendäre BÄKO-Workshop-Party als Abend voller kulinarischer Highlights, kühler Getränke und ausgelassener Stimmung. Für den perfekten Sound und eine volle Tanzfläche war erneut die beliebte BÄKO-Workshop-Partyband Garant, bevor dann die DJane übernahm und mit den passenden Beats für beste Stimmung auf der Tanzfläche bis weit in die Nacht sorgte.
Im kommenden Jahr geht die BÄKO-Workshop-Reise übrigens weiter nach Darmstadt, wo der Kongress vom 12. bis 14. September zu Gast sein wird – Dabeisein wird wärmstens empfohlen!










