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Die im Rahmen des Projekts „Handwerk meets Kaufleute“ entwickelten Konzepte kamen gut an. Hier die Zubereitung von „Spicy Sprout“ mit Zitronenkuchen, Kapuzinerkresse und einer Pfeffer-Vanille-Ganache-Montée.
© HWK für Oberfranken
Das Bild zeigt eine Teilnehmerin des Projekts an einem der Präsentationsstände, während sie die Produkte mit Kapuzinerkresse-Gel finalisiert.
BÄKO-magazin Titel E-Paper Ausgabe 6-26
Aus- & Weiterbildung

Kräuterreiche Teamleistung

Das Projekt „Handwerk meets Kaufleute“ brachte im Mai 2026 zum dritten Mal angehende Bäcker- und Konditormeister mit kaufmännischen Auszubildenden zusammen. Ihre Aufgabe: Konzeptentwicklung mithilfe von Gartenkräutern und regionalen Zutaten.

Am 11., 21. und 22. Mai 2026 führte das Projekt „Handwerk meets Kaufleute“ in Bayreuth erneut angehende Bäcker- und Konditormeister mit kaufmännischen Auszubildenden zusammen. Organisiert und begleitet wird das Projekt von der Handwerkskammer für Oberfranken gemeinsam mit dem Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth und dem Gesundheitsdienstleister Gedikom. Die Teilnehmenden müssen in interdisziplinären Teams in wenigen Tagen eigene Produkte, Marken und Vermarktungskonzepte erarbeiten. Das im Wettbewerbsmodus durchgeführte Projekt folgte einem kreativen Thema: „Kräuterreich & regional: Backkunst im Ökologisch-Botanischen Garten“.

 

Projekt mit großem Mehrwert

Die Meisterschülerinnen und Meisterschüler des Bäcker- und Konditorenmeisterkurses der Handwerkskammer für Oberfranken arbeiteten dabei gemeinsam mit kaufmännischen Auszubildenden der Firma Gedikom an einer Aufgabe, die auf den ersten Blick kreativ klingt – und auf den zweiten Blick sehr nah an echter unternehmerischer Realität ist. Aus zugelosten Kräutern und regionalen Zutaten sollten nicht nur Produkte kreiert, sondern Konzepte entwickelt werden. Die Gruppen mussten in kürzester Zeit ein handwerklich überzeugendes Produkt entwickeln, eine Marke aufbauen, ein Vermarktungskonzept erarbeiten, kalkulieren, einen Stand gestalten, Social Media bespielen, Genusskarten erstellen, ein Kurzvideo produzieren und ihr Ergebnis vor Jury, Publikum und Kundschaft präsentieren. Eine gute Idee zu haben, reiche nicht, erklärt Bäcker- und Konditormeister Ronny Vogel, Fachbereichsleiter Bäcker- und Konditorenhandwerk an der Handwerkskammer für Oberfranken. „Sie muss funktionieren. Sie muss erklärbar sein. Sie muss schmecken. Sie muss wirtschaftlich gedacht sein. Sie muss Menschen erreichen. Und sie muss als Teamleistung entstehen – unter Zeitdruck, mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und mit all den Reibungen, die dazugehören, wenn man nicht nur redet, sondern wirklich umsetzt. Genau darin liegt für mich der große Mehrwert dieses Projekts“, betont er.

 

Von Ananas-Salbei bis Zitronenblatt

In diesem Jahr arbeiteten die Teams mit Kräutern wie Eberraute, Ananas-Salbei, Pfeffer-Salbei, Zitronenblatt, Kapuzinerkresse und Käsekraut. Daraus entstanden sehr unterschiedliche Produkte und Konzepte: kleine Burger mit Kräuter-Mayonnaise, süße Gebäcke mit Kapuzinerkresse, neu interpretierte Kuchenideen mit Zitronenblatt oder ein Pfeffer-Salbei-Rhabarber-Financier. Rund 300 Besucher kamen in den Ökologisch-Botanischen Garten, probierten sich durch die Stände, kamen mit den Teams ins Gespräch und konnten per QR-Code abstimmen. Rund 1.100 Euro Spendeneinnahmen kamen zusammen. Für die Teilnehmenden bedeutete das: Ihre Arbeit bleibt nicht im geschützten Unterrichtsraum. Sie wird sichtbar. Sie bekommt Reaktion. Sie bekommt Bedeutung. Den Produktpreis sicherte sich am Ende das Team „Pink Pepper“, der Preis für die beste Öffentlichkeitsarbeit ging an das Team „Käseknusperla“.

 

Selbstwirksamkeit erfahren

„So schön diese Produkte am Ende waren: Das Entscheidende passiert eigentlich davor“, erläutert Ronny Vogel. „Es passiert in den Momenten, in denen aus einzelnen Menschen ein Team werden muss. In denen Aufgaben verteilt werden. In denen diskutiert, verworfen, neu gedacht und entschieden wird. In denen jemand Verantwortung übernimmt, der sich das vorher vielleicht gar nicht zugetraut hätte. In denen aus Unsicherheit plötzlich Selbstbewusstsein wird.“ Gerade die Feedbackrunde am Abend habe das wieder sehr deutlich gemacht. Viele Meisterschülerinnen und Meisterschüler hätten vorher nicht gedacht, dass sie in so kurzer Zeit etwas so Großes auf die Beine stellen können, berichtet Ronny Vogel. Genau das sei für ihn der Kern des Projekts: „Denn hier entsteht Selbstwirksamkeit. Die Teilnehmenden erleben: Wir können gestalten. Wir können Entscheidungen treffen. Wir können mit Druck umgehen. Wir können Menschen begeistern. Wir können unser Handwerk nicht nur ausführen, sondern erklären, präsentieren und wirtschaftlich denken. Und genau das brauchen wir im Handwerk

Dass der innovative Ansatz des Projekts auch überregional wahrgenommen wird, zeigte sich in diesem Jahr besonders deutlich: „Handwerk meets Kaufleute“ war beim IHK-Bildungspreis-Finale 2026 in der Kategorie Sonderpreis vertreten. Diese Kategorie würdigt besonders kreative, innovative Ideen und Bildungsansätze. „Für uns ist das eine starke Bestätigung, weil es zeigt: Dieses Projekt ist mehr als ein schöner Projekttag. Es ist ein Beispiel dafür, wie berufliche Bildung aussehen kann, wenn man junge Menschen nicht nur Wissen aufnehmen lässt, sondern sie ins Tun bringt“, freut sich Ronny Vogel.

Einblicke in das Projekt bietet das im Rahmen des IHK-Bildungspreiseses 2026 erstellte Imagevideo.

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