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Die in den deutsch-französischen Teams entwickelten Patisserie-Kreationen der Auszubildenden wurden in der Französischen Botschaft verkostet.
© Monique Ulrich
BÄKO-magazin Titelbild 2-26
Aus- & Weiterbildung

Gewinnbringender Austausch

Auszubildende gewinnen durch ein Auslandspraktikum nicht nur an Lebenserfahrung dazu, sie erhalten auch wichtige berufliche neue Impulse. Spezielle Förderprogramme und Beratungsangebote helfen bei der Umsetzung.

Das EU-Programm „Erasmus+“ eröffnet Auszubildenden die Möglichkeit, Auslandspraktika von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten, individuell oder in Gruppen zu absolvieren. Was viele aus dem Studium kennen, ist auch in der beruflichen Bildung möglich: Auch Bäcker- und Konditorazubis können internationale Erfahrungen sammeln, neue Techniken lernen und kulinarische Horizonte erweitern. Ein gelungenes Beispiel dafür ist der deutsch-französische Austausch zwischen Berlin und Versailles. Die Begegnung wird von der Mobilitätsberatung der Handwerkskammer Berlin, dem Centre Français de Berlin und der Bäckerinnung Berlin organisiert und durch das Deutsch-Französische Jugendwerk unterstützt.

 

Auf ins Abenteuer!

Für Hannah Tichy, angehende Bäckerin aus Berlin, begann alles mit einem Gerücht: „In meiner Klasse hieß es, dass es einen Frankreich-Austausch gibt, aber niemand wusste zunächst, wie man sich anmeldet“, erzählt sie. Bei der Bäckerinnung erhielt sie den Hinweis auf das Programm „Berufsbildung ohne Grenzen“ und deren Mobilitätsberaterin Susanne Boy. „Ab da lief alles super unkompliziert. Sie hat mir das Anmeldeformular geschickt, alle Fragen geklärt und wir hatten einen Vorbereitungsnachmittag, wo wir die Gruppe kennen gelernt haben.“ Dann begann das eigentliche Abenteuer. In Versailles arbeiteten die deutschen und französischen Nachwuchsbäcker/innen in gemischten Teams an einer gemeinsamen Aufgabe: Es galt, eine neue deutsch-französische Patisserie-Kreation zu entwickeln. Was für Hannah überraschend gut lief: die Kommunikation. „Ich dachte ehrlich gesagt, dass viele von ihnen kein Englisch können würden. Aber in meiner Gruppe hatte sogar jemand einen USA-Austausch gemacht und sprach fließend Englisch. Das hat super funktioniert.“ Herausfordernder sei dagegen gewesen, dass die französischen Auszubildenden deutlich vorbereiteter waren: „Sie kannten die Aufgabenstellung genau und hatten sogar schon Rezeptideen. Sie wussten, wo alles in der Schule steht. Dadurch hatten sie automatisch die Führung.“ Für die deutschen Teilnehmenden bedeutete das zunächst Zurückhaltung und Nachfragebedarf. „Das war ungewohnt, aber auch spannend. Ich habe viel gelernt, weil sie einen anderen Blick auf Zutaten und Abläufe haben“, sagt Hannah Tichy. Die französische Arbeitsmoral habe sie beeindruckt: „Es war alles viel strenger, genauer und zackiger als ich es aus Berlin kannte. Fast ein bisschen militärisch. Aber man merkt, wie hoch Patisserie dort angesehen ist.“

 

Mit Liebe für Details

Besonders geprägt hat die Auszubildende der Fokus auf Details. „Die Ausbilderin sagte einmal, unsere Honig-Diplomatencreme sei zu intensiv und schlug Lavendelhonig vor, weil der lieblicher ist. Ich wusste vorher nicht einmal, wie groß die Geschmacksunterschiede bei Honigen sind, geschweige denn, dass man sie in einer Creme rausschmecken kann.“ Diese Detailverliebtheit will Hannah Tichy mit in ihre weitere Ausbildung nehmen: „Ich möchte viel stärker auf Feinheiten achten, weil die Kund(inn)en später spüren sollen, wie viel Anspruch und Handwerk in unseren Produkten steckt“, verrät sie. Nach einer Woche in Frankreich reisten die Teilnehmenden gemeinsam nach Berlin. Drei Tage lang wurde perfektioniert, dekoriert, abgestimmt. Krönender Abschluss war die Verkostung in der Französischen Botschaft. Die Juryurteile, die Auszeichnung und das Mobilitätszertifikat machen sichtbar, was in dieser europäischen Zusammenarbeit steckt: Stolz, Qualität und ein echtes Miteinander im Handwerk.

 

Erfahrung über Ländergrenzen hinweg

Wer solche Austauschformate ermöglichen möchte, bekommt umfassende Unterstützung, nicht nur in Berlin. Deutschlandweit beraten Mobilitätsberater/innen von „Berufsbildung ohne Grenzen“ an den Handwerkskammern zu individuellen oder Gruppenprogrammen. „Erasmus+“ übernimmt Reise- und Unterkunftskosten der Auszubildenden, Betriebe zahlen wie gewohnt den Lohn weiter. „Der Aufwand für die Betriebe bleibt gering und der Gewinn ist enorm“, erklärt Susanne Boy. Neben neuen fachlichen Impulsen entstehe oft auch eine besondere Dynamik im Team. Zudem könnten Ausbilder/innen selbst über Job-Shadowings ins Ausland gehen.

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