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Andreas Heinz, Vorsitzender des Ernährung-NRW e. V.
© Jörg Meyer, jumpr/Ernährung-NRW
Mann am Rednerpult
BÄKO-magazin Titel Ausgabe 4-26
Allgemein

„Lange Nacht der Ernährung“

Beim Branchentreffen „Lange Nacht der Ernährung“  in Bergisch Gladbach diskutierten Vertreter aus Agrar- und Ernährungswirtschaft, Politik und Start-up-Szene über die Zukunft regionaler Lebensmittel und digitaler Wertschöpfungsketten.

Die Agrar- und Ernährungswirtschaft steht vor großen Herausforderungen – gleichzeitig eröffnen sich neue Chancen für regionale Wertschöpfung, Innovation und Zusammenarbeit. Bei der „Langen Nacht der Ernährung 2026“, zu der der Verein Ernährung-NRW e. V. nach Bergisch Gladbach eingeladen hatte, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft, Lebensmittelhandwerk und -Handel, Wissenschaft und Start-ups über Perspektiven einer zukunftsfähigen Ernährung in Nordrhein-Westfalen.
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden von Ernährung-NRW e. V., Andreas Heinz, eröffnete NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen die Veranstaltung mit einem Grußwort. Sie betonte die zentrale Rolle der Land- und Ernährungswirtschaft für Wertschöpfung, Innovation und regionale Entwicklung im Land. Regionale Lebensmittel, starke Netzwerke und innovative Geschäftsmodelle seien wichtige Bausteine für eine zukunftsfähige Ernährungskultur. Gleichzeitig rief die Ministerin zu mehr Wertschätzung für Lebensmittel und die Arbeit der Land- und Ernährungswirtschaft auf.

 

Digitale Vernetzung für regionale Lebensmittel

Im Anschluss stellte Dr. Svea Pacyna-Schürheck, Vorständin von Ernährung-NRW e. V., die weiterentwickelte digitale Plattform „Die Mahlzeitenmacher“ vor. Die kostenfreie Plattform vernetzt regionale Erzeuger, Produzenten, Verarbeiter, Logistikunternehmen mit Betrieben der Außer-Haus-Verpflegung wie Kantinen, Mensen, Caterern und der Gastronomie.
Ziel ist es, (bio-)regionale Lebensmittelangebote sichtbarer zu machen und direkte Kontakte entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu ermöglichen. „Mit den Mahlzeitenmachern schaffen wir ein digitales Netzwerk, das Angebot und Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln transparent zusammenbringt und neue Partnerschaften in der Außer-Haus-Verpflegung ermöglicht“, erklärte Dr. Pacyna-Schürheck. Gleichzeitig motivierte sie Betriebe und Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, sich auf der Plattform zu registrieren:
„Alle Akteure – von der Landwirtschaft über Produktion, Verarbeitung und Logistik bis hin zu Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung – können sich kostenfrei anmelden und sich so leicht und unkompliziert über Angebot und Nachfrage regionaler Produkte und Dienstleistungen informieren. Je mehr Unternehmen mitmachen, desto besser stärken wir gemeinsam die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln und die regionale Lebensmittelwirtschaft in NRW.“

Daten als Schlüssel für die Zukunft der Landwirtschaft

Mit einem Impuls zur digitalen Transformation der Branche sprach anschließend Dr. Matthias Nachtmann, Vorstand von Friends for Digital Farming e. V. In seinem Vortrag über „Souveräne Datenökosysteme der Land- und Ernährungswirtschaft“ machte er deutlich, dass der wirtschaftliche Wert landwirtschaftlicher Produkte zunehmend auch aus den dazugehörigen Daten entsteht. Informationen zu Herkunft, Produktionsbedingungen oder CO₂-Bilanzen werden für Handel, Banken und Regulierungsbehörden immer wichtiger. Gleichzeitig entstehen entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette bereits heute große Datenmengen – etwa durch Sensorik auf dem Feld, digitale Maschinensteuerung oder betriebliche Managementsysteme. Häufig bleiben diese Daten jedoch in unterschiedlichen Systemen isoliert und können ihr Potenzial nicht entfalten. Als Lösung sieht Nachtmann sogenannte souveräne Datenräume, die einen sicheren und regelbasierten Datenaustausch zwischen Landwirtschaft, Industrie, Handel, Forschung und Behörden ermöglichen. Nordrhein-Westfalen habe durch die enge Vernetzung von Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft, Wissenschaft und Technologieunternehmen gute Voraussetzungen, um hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Sein Fazit: „Die Zukunft der Landwirtschaft entscheidet sich nicht nur auf dem Feld, sondern in der Fähigkeit, Daten gemeinsam zu nutzen. Die Technologien existieren bereits – die eigentliche Herausforderung ist die Zusammenarbeit.“

 

Start-up-Innovation aus Tradition

Nach der Pause berichtete Minever Zevker, Gründerin und CEO des Food-Start-ups Miss Mineva’s, von ihrer unternehmerischen Reise. Unter dem Motto „Aus Tradition wird Innovation“ verbindet sie jahrhundertealte Lebensmitteltraditionen mit modernen Ernährungstrends. Ausgangspunkt ihrer Produkte ist Tarhana, eine fermentierte Suppe aus dem östlichen Mittelmeerraum, die seit Jahrhunderten in der Türkei und in Südosteuropa verbreitet ist und oft als eine der ältesten Instant-Suppen der Welt gilt. Zevker hat die traditionelle Rezeptur zu modernen Convenience-Produkten weiterentwickelt: Ihre veganen Instantgerichte bestehen aus 100 % natürlichen Zutaten – ohne künstliche Zusatzstoffe oder Konservierungsstoffe. Dank Fermentation sind die Produkte lange haltbar und benötigen keine Kühlung, was Transport, Lagerung und Nachhaltigkeit verbessert.
Zevker machte zugleich deutlich, wie herausfordernd der Aufbau eines Start-ups ist: Nur rund zehn Prozent der Start-ups schaffen es langfristig am Markt zu bestehen. Diese Realität müsse Gründerinnen und Gründern bewusst sein – gleichzeitig sei sie Ansporn, die eigene Idee mit Ausdauer weiterzuentwickeln. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch die öffentliche Sichtbarkeit. Berichterstattung in Medien sowie Auszeichnungen bei Start-up-Wettbewerben könnten entscheidend dazu beitragen, junge Unternehmen bekannt zu machen – insbesondere dann, wenn größere Marketingbudgets oder Investitionen zu Beginn noch nicht zur Verfügung stehen. Ihr Fazit für angehende Gründerinnen und Gründer: „Man braucht Mut, Ausdauer und Sichtbarkeit. Gerade am Anfang können Preise, Medienberichte und Netzwerke entscheidend sein, um einer guten Idee die Chance zu geben, sich am Markt zu behaupten.“ Mit ihren fermentierten Instantgerichten zeigt Zevker, wie sich traditionelle Lebensmittelkultur und moderne Convenience-Produkte zu einem neuen Food-Konzept verbinden lassen.

Wert statt Preis: Ein Impuls zur unternehmerischen Haltung

Den Abschluss der Vorträge bildete Jürgen H. Krenzer, Entwickler von krenzers rhön. Unter dem Titel „Teuer? Nein. Wertvoll! – Das Ende des Preis-Leistungs-Mythos“ sprach er über unternehmerische Haltung, Selbstführung und den Unterschied zwischen Preis und Wert. Krenzer machte deutlich, dass viele äußere Rahmenbedingungen nicht beeinflussbar seien – wohl aber die eigene Haltung und die Entscheidungen, die Unternehmen treffen. Erfolgreiches Unternehmertum bedeute daher, sich auf die Faktoren zu konzentrieren, die man selbst gestalten kann. Anhand seiner eigenen Geschichte zeigte er, wie konsequente Authentizität, klare Werte und Begeisterung langfristig zu Erfolg führen können.
Austausch und Vernetzung im Fokus

Die Veranstaltung endete mit einer offenen Diskussion und einem anschließenden Get-together. Im Mittelpunkt stand der Austausch zwischen den Akteuren der Land- und Ernährungswirtschaft – ganz im Sinne des Netzwerks Ernährung-NRW e. V., das seit vielen Jahren die regionale Lebensmittelwirtschaft stärkt und die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette fördert.

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