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Fußballturniere während der Arbeitszeit genießen? Hier ist Vorsicht geboten.
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Fussballfieber mit Vorsicht

EM- oder WM-Zeit ist die schönste Zeit im Jahr  – zumindest für Fußballfans. Doch was, wenn das spannende Battle gerade zur Arbeitszeit im Fernsehen läuft? Fußball-EM schauen am Arbeitsplatz: Darf der Arbeitnehmer das?

Vorsicht: Während der Arbeitszeit Fußball zu schauen, ist ohne Erlaubnis des Arbeitgebers tabu – darauf hat der Kölner Fachanwalt für Arbeitsrecht Volker Görzel, Leiter des Fachausschusses „Betriebsverfassungsrecht und Mitbestimmung“ des VDAA – Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte e. V. mit Sitz in Stuttgart, aktuell hingewiesen. Und zwar sind die Regeln hier streng: Ein kurzer Blick in den Internet-Livestream reicht schon aus, um Ärger zu bekommen. Denn während dieser Zeit verletzt der Arbeitnehmer seine arbeitsvertragliche Hauptleistungspflicht. Und so sieh die Rechtslage aus:

 

Livestreams und private Internetnutzung – Ein No-Go!

Das Arbeitsgericht Köln hat entschieden: Fußballspiele über einen Livestream am dienstlichen Computer zu schauen, ist vergleichbar mit einer privaten Internetnutzung während der Arbeitszeit. Wenn dies in dem Betrieb verboten ist, gilt es somit grundsätzlich auch für das EM-Schauen! Eine Ausnahme kann bestehen, wenn der Arbeitgeber TV- oder Radio-Geräte bereitstellt, die während der Arbeitszeit genutzt werden dürfen.

 

Arbeit geht vor – Keine Störungen im Kundenkontakt

Auch wenn der Chef erlaubt, Fußball zu schauen, gilt: Die Arbeit muss zuverlässig und korrekt weitergehen. Der Kundenkontakt darf nicht gestört werden. Somit darf ein Torjubeln nicht zu Lasten der Arbeitsqualität gehen. In vielen Betrieben ist die private Handynutzung geregelt. Der schnelle Blick aufs Smartphone kann erlaubt sein, muss aber nicht. Existiert keine Regelung, ist die Nutzung während der Arbeitszeit nicht erlaubt. Mitarbeiter sind daher gut beraten, sich nach Ausnahmeregelungen während der EM  zu erkundigen – der Betriebs- oder Personalrat könnte helfen. Wer die Spiele nicht am Arbeitsplatz verfolgen kann, sollte Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen. Obwohl grundsätzlich Urlaub zusammenhängend beantragt werden soll, drücken Arbeitnehmer für einzelne Tage oft ein Auge zu. Aber: Der Chef darf den Urlaubsantrag ablehnen, wenn betriebliche Gründe dagegensprechen oder andere Kollegen schneller waren. Schummeln dagegen ist nicht zu empfehlen: Spontane Krankheiten während oder nach den Spielen der Lieblingsmannschaft sind auffällig und riskant. Unerlaubtes Fehlen sorgt für Ärger, und vorgetäuschte Krankheiten können sogar zur Kündigung führen.

 

Ein weiterer Riskikofakltor soll hier ebenso angesprochen werden: Während der EM lockt der Alkohol. Aber Vorsicht: Restalkohol am Arbeitsplatz kann ernste Konsequenzen haben. In den meisten Betrieben gilt ein absolutes Alkoholverbot. Arbeitnehmer müssen immer in der Lage sein, ihre Arbeitspflichten zu erfüllen. Bei Verstößen drohen Abmahnung oder Kündigung. Erscheint man verkatert zur Arbeit kann der Chef kann Sie nach Hause schicken – ohne Bezahlung. Kommt es auch noch zu einem Unfall unter Alkoholeinfluss wird möglicherweise nicht als Arbeitsunfall eingestuft, was den Entfall des gesetzlichen Unfallversicherungsschutz zur Folge haben könnte. Übrigens sollte man auch hinsichtlich Fußball-Fanartikel, die unweigerlich zur EM dazugehören, vorab informieren:  Wer im DFB-Trikot zur Arbeit gehen oder den Arbeitsplatz dekorieren möchte, sollte klare Absprachen mit dem Arbeitgeber treffen. Wo Kleidervorschriften gelten, ist das Trikot verboten, es sei denn, es gibt Ausnahmen. Bei der Dekoration hat der Arbeitgeber das letzte Wort, denn er hat das Hausrecht.

 

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