Vom Acker bis zur Ladentheke steht die Wertschöpfungskette aktuell vor existenziellen Weichenstellungen – so hat der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks die aktuelle Lage auf dem „Backwarengipfel zusammengefasst. Die Podiumsdiskussion „Backwarengipfel“ fand im Rahmen der Grünen Woche in Berlin statt und beschäftigte sich mit den Rahmenbedingungen in der Backbranche. Dass hier dringender Handlungsbedarf gegeben ist, zeigte auch die Aufmerksamkeit innerhalb der Branche – es war fast die gesamte Wertschöpfungskette vertreten (das BÄKO-magazin berichtete).
Darüber zeigten sich über die gesamte Kette hinweg alle einig – praxistaugliche und verlässliche politische Rahmenbedingungen bei Energie und Rohstoffen sowie der konsequente Bürokratieabbau seien notwendig, um Brot und Backwaren in ihrer Vielfalt zu erhalten. Die Versorgungssicherheit mit dem „Grundnahrungsmittel Nr. 1“ sei kein Selbstläufer und Getreide, Mehl und Brot systemrelevant. Das müsse seitens der Politik endlich erkannt und darum dafür verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Die richtige Energie aufbringen
Zentrales Thema der Verbände ist die Energie: Roland Ermer, Präsident des Bäckerhandwerks, verwies hierbei auf die 70 bis 80% der Betriebe, die noch mit Gas backen: „Wir brauchen Planungssicherheit und Zeit für den Umstieg, sonst riskieren wir die dezentrale Versorgung und die Existenz vieler Bäckereibetriebe.“ „Ohne Erdgas als Energieträger für Fermentation und Reinigung steht die Produktion etwa in der Hefeindustrie still. Steigende CO2-Preise gefährden zudem die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem EU-Ausland“, erklärt Wilko Quante, Vorsitzender des Backzutatenverbands.
„Ohne Erdgas als Energieträger für Fermentation und Reinigung steht die Produktion etwa in der Hefeindustrie still. Steigende CO2-Preise gefährden zudem die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem EU-Ausland“, erklärte Wilko Quante, Vorsitzender vom Backzutatenverband, und ergänzte: „Erdgas als Energieträger für Fermentation und Reinigung steht die Produktion etwa in der Hefeindustrie still. Steigende CO2-Preise gefährden zudem die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem EU-Ausland.“ Tobias Schuhmacher, Hauptgeschäftsführer des Verbands deutscher Großbäckereien, erklärte: „Die Energiekosten entscheiden darüber, ob Wertschöpfung in Deutschland bleibt. Deswegen braucht es verlässliche Stromversorgung und -preise für die energieintensive Branchen in der Wertschöpfungskette Backwaren. Das ist keine Subvention, sondern Schutz kritischer Infrastruktur.“
Neben energetischen Gesichtspunkten standen u.a. die Themen Bürokratie und Regulierung auf der Agenda. Hier gelte es sicherzustellen, dass diese die Innovationskraft der Branche nicht lähmten. Die Verbände forderten daher unisono den Mut zur Vereinfachung – insbesondere bei Dokumentationspflichten und im Arbeitszeitrecht. Man brauche „Good Governance statt Regelungswut“. Ergänzend forderte Roland Ermer eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes: Weg von der täglichen, hin zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit sowie eine Ausweitung der erlaubten Backzeiten an Sonn- und Feiertagen, um der Lebensrealität moderner Betriebe gerecht zu werden.
Zukunft muss gesichert werden
Derartige Neuerungen seien auch wichtig, um die Branche langfristig zu sichern. Bettina Schliephake-Burchardt, Präsidentin des Deutschen Konditorenbunds, warnte: Wenn die Hürden für Betriebsübergaben durch Bürokratie und hohe Lohnnebenkosten weiter steigen, werde es immer schwerer, junge Gründer für die Nachfolge zu begeistern. Sie forderte: „Regelungen in allen Bereichen mit Augenmaß, die einer Gründerkultur nicht entgegenstehen.“ Auch das Thema Fachkräftegewinnung bleibe in allen Branchen eine Herausforderung. Roland Ermer erklärte: „Wir brauchen endlich bessere berufliche Orientierung an Schulen, bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende und ein klares Bekenntnis zur Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung. Nur wenn junge Menschen gute Startbedingungen haben, sichern wir die Fachkräfte von morgen.“
„Versorgungssicherheit beginnt auf dem Acker“, betonte etwa Dr. Peter Haarbeck, Geschäftsführer im Verband Deutscher Mühlen. 95% des Brotgetreides stammten aus heimischer Landwirtschaft. Praxisferne Dünge- und Pflanzenschutzvorgaben aber würden diese Rohstoffbasis zunehmend gefährden. „Wenn die Proteinqualität sinkt, droht die Abhängigkeit von Importen, was regionale Wertschöpfung schwächt und den CO2-Fußabdruck erhöht.“










